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	<title>Memories &#187; 20er Jahre</title>
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	<description>Meng Erënnerungen - Eis Geschicht</description>
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		<title>Im Waisenhaus &#8220;Op der Rumm&#8221;</title>
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		<pubDate>Mon, 13 Mar 2017 11:21:26 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Nicolas Kohl]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Lebenslauf]]></category>
		<category><![CDATA[20er Jahre]]></category>
		<category><![CDATA[30er Jahre]]></category>
		<category><![CDATA[Kindheit]]></category>
		<category><![CDATA[Luxemburg]]></category>
		<category><![CDATA[Rumm]]></category>
		<category><![CDATA[Waisenhaus]]></category>

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		<description><![CDATA[Nach dem Tod meiner Mutter im Juli 1927 verwahrlosten wir Kinder zusehends. Ich war 10, meine beiden Brüder 7 und 4 Jahre alt. Ende November 1928 fielen zum ersten Mal die Worte: „Wanns de virun esou frech bass, da kënns de op d&#8217;Rumm“. Der Briefträger hatte einen Brief mit der Aufschrift: „Sozialamt der Stadt Esch/Alzette“ abgegeben! [&#8230;]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Nach dem Tod meiner Mutter im Juli 1927 verwahrlosten wir Kinder zusehends. Ich war 10, meine beiden Brüder 7 und 4 Jahre alt.</p>
<p>Ende November 1928 fielen zum ersten Mal die Worte: „Wanns de virun esou frech bass, da kënns de op d&#8217;Rumm“. Der Briefträger hatte einen Brief mit der Aufschrift: „Sozialamt der Stadt Esch/Alzette“ abgegeben! Am Neujahrstag 1929 brachte man mich und meinen Bruder ins Waisenhaus auf dem Rahmplateau in Luxemburg, der jüngste Bruder folgte erst sechs Monate später. Damit endete eine schlimme Periode meines noch jungen Lebens, die ich bis heute nicht vergessen kann.<span id="more-1021"></span></p>
<p><a href="http://memories.lu/wp-content/uploads/Rumm_Gebäude1935.gif"><img class="alignnone size-medium wp-image-1025" src="http://memories.lu/wp-content/uploads/Rumm_Gebäude1935-300x224.gif" alt="Rumm_Gebäude1935" width="300" height="224" /></a></p>
<p>Um zu verhindern, dass von draußen ansteckende Krankheiten eingeschleppt würden, wurden die Neuen in einer Sonderabteilung von einem Arzt auf Herz und Nieren geprüft, ehe sie mit den anderen Kindern in Berührung kommen durften. Bei uns beiden dauerte die Prozedur eine Woche, Entlausung inbegriffen.</p>
<p>Zugleich wurden wir eingekleidet, das heißt Einheitskleidung, die jeder der 100 Knaben trug. Die Kleider wurden nummeriert, auch die Strümpfe und die Unterwäsche. Mein Bruder hatte die Nummer 78 und ich die Nummer 79. Daneben erhielten wir einen Sonntagsanzug, der nur an Sonn- und Feiertagen herausgegeben wurde.</p>
<p>Anfang Januar 1929, als wir beide in die Kinderschar aufgenommen wurden, zählte die ganze „Bevölkerung“ der Rumm zirka 800 Personen: 300 Männer, 250 Frauen und 200 Waisenkinder (100 Jungen und 100 Mädchen) sowie etwa 42 Nonnen vom Orden der heiligen Elisabeth. Die Gebäude der Rumm waren früher eine Kaserne der Festung Luxemburg gewesen und gehörten &#8211; wie auch heute noch &#8211; dem Staat. Die Nonnen hatten sich nur um die Menschen zu kümmern. Die Rumm war sowohl Altersheim, als auch Spital und Waisenhaus. Später, als die Weltwirtschaftskrise viel Arbeitslosigkeit schuf, erhielt vor den Toren der Rumm jeder Arbeitslose täglich eine warme Mahlzeit. Wir Kinder spürten von der Wirtschaftskrise nichts. Wir hatten satt zu essen, die Schule war im Hause selbst, sogar die Hausaufgaben wurden abends von 5 bis 6 Uhr in der Schule gemacht (Die Lehrerin führte dabei die Aufsicht).</p>
<p>Die 100 Buben waren auf 8 Schlafzimmer verteilt, in jedem standen 12 oder 14 Betten. Die Schwestern hatten ihre Ordensregeln, die sie fest einhielten und unser Leben wurde pingelig genau darauf angepasst. Der Tag begann morgens um Punkt 6 Uhr 10. Das Licht blitzte auf und mit den Worten: „Es lebe Jesus“, ging die Schwester laut betend durch die 8 Zimmer. Im Nu musste jeder aufstehen, das Nachthemd wurde mit der Hose gewechselt und dann ging es heraus auf den langen Gang. Hier stand für jeden eine Waschschüssel voll Wasser, und die Morgentoilette begann, Zähneputzen inbegriffen.</p>
<p>In der Zwischenzeit hatte die Schwester jedes Bett auf etwaige Bettnässer untersucht. Dann musste jeder, vom Kleinsten bis zum Größten, sein Bett selber machen, das Nachthemd falten und unter den „Duvet“ legen. Für jedes der 8 Schlafzimmer waren drei Mann bestimmt, die das Zimmer selbst instand setzen mussten. Mit einem feuchten „Torchon“, der an einem „Schrupper“ hing, wurde der Staub unter den Betten aufgefangen. Dann bekam jeder besonders zurechtgelegte Tücher unter die Füße gelegt und begann mit diesen den gebohnerten Holzboden blank zu reiben. Das ging gut, weil wir genagelte Schuhsohlen hatten. Auf dem langen Gang vor den Zimmern tat die Schwester dasselbe mit dem Rest der Schar.</p>
<p>Dies alles geschah mit 100 Kindern binnen 45 Minuten. Um 7 Uhr früh mussten wir in der Messe sein &#8211; und wir waren drin.</p>
<p>Kaum war das „Ite missa est“ verklungen, erhoben sich die Größten von uns und liefen in die Küche den Kaffee holen. Das Küchenpersonal hatte schon Brotportionen auf jedem Platz verteilt und &#8211; ob man es glaubt oder nicht &#8211; um 8 Uhr waren wir in der Schule. Das ganze, hier beschriebene Manöver wurde von einer einzigen Schwester geleitet.</p>
<p>Alle Jahre wieder, mit dem Beginn der großen Schulferien, begann die Obsternte, von Johannisbeeren, bis zu den Steinobstarten, wie Mirabellen und Pflaumen.</p>
<p>Die 200 Kinder wurden hier mit eingespannt. Die Mädchen pflückten das Obst im Garten und lieferten es in großen Körben bei uns Buben ab, wo es dann von den Stielen, bzw. den Steinen befreit wurde.</p>
<p>In den Hof wurde ein großer kupferner Obstkessel gestellt. Die Feuerung darunter wurde mit Holzscheiten betrieben. Die körperlich stärksten Kinder rührten dann stundenlang in diesem Kessel, in dem das Obst und eine enorme Menge Kristallzucker kochten.</p>
<p>Die Obsternte dauerte gewöhnlich eine ganze Woche. Das Obst wurde dann in irdenen Töpfen in den Felsenkellern des Rhamhospizes bis zum Gebrauch im Winter aufbewahrt.</p>
<p>Die gesetzlich vorgeschriebenen Lehrstunden gingen damals morgens von 8 bis 11 Uhr und nachmittags von 14 bis 16 Uhr und wurden genau eingehalten. Zum Mittagessen gab es täglich Rindfleischsuppe mit einer großen Schnitte Brot. Nach der Suppe gab es abgekochtes Rindfleisch, zu diesem Rindfleisch wurde dann Kartoffelpüree mit sehr viel Speckgrieben gereicht. Man hatte nur das Recht zu sagen: „ein wenig“ oder „viel“. An Feiertagen wurde statt der Brotsuppe eine Vermicellesuppe gereicht.</p>
<p>So karg sich aus heutiger Sicht dieses Menü ansieht, es schmeckte uns allen, denn der größte Teil der Kinder kam aus Familienverhältnissen, in denen es nichts dergleichen zu essen gab. Das Vesperbrot um 4 Uhr nach der Schule bestand aus mit Marmelade geschmierten Broten. Danach mussten wir, von 17 bis 18 Uhr in die „Zilenz“.</p>
<p>Fast alles, was für die Lebensbedürfnisse der 800 Insassen des Rhamhospizes gebraucht wurde, wurde auch hier hergestellt. Es gab eine eigene Bäckerei, Kühe wurden gehalten, ferner gab es eine Schusterei, eine Schneiderei und eine Wäscherei. Ein großer Garten lieferte das Obst. Angeliefert von außen wurden Kohle, Koks und Holz zum Heizen und von Zeit zu Zeit ganze Ladungen Kartoffeln.</p>
<p>Das Holz wurde als Scheitholz in Korden geliefert. Zum Zersägen und Kleinhacken kamen 4 oder 5 Gefangene aus Stadtgrund, welche vom Richter zu Zwangsarbeit verurteilt worden waren. Daneben stand immer ein Gefangenenwärter mit Revolver.</p>
<p>Im Herbst 1929 wurden die Kinder des 7. Schuljahres ins Leben entlassen und die Jüngeren rückten nach, um deren Posten zu übernehmen. Mein mittlerer Bruder und ich, wir bekamen das Amt der Kleiderverteilung und eine Liste mit den Nummern eines jeden der 100 Kinder. Jeden Mittwoch kamen aus der Wäscherei Körbe voll frisch gewaschener Kleider, die mein Bruder und ich an die jeweiligen Besitzer verteilen mussten. Da wir ja inzwischen wussten in welchem Bett jeder schlief, wurden die Kleider mit der richtigen Nummer unter den Duvet des richtigen Bettes gelegt. So einfach war das und klappte immer. Am anderen Morgen warf jeder seine schmutzige Wäsche in die Körbe und wir beide brachten diese wieder zurück in die Wäscherei.</p>
<p>Wann die Schuhe in die Schusterei mussten, bestimmte die Hauptschwester, und wir trugen die Schuhe, ebenfalls per Korb, dahin.</p>
<p>Alle 2 Monate, immer montags, kam der Frisör. Dieser hatte mit dem Staat einen Preis pro Kopf vereinbart. Er brachte es fertig, binnen eines Tages 100 Kindern eine „Chienne“ zu schneiden.</p>
<p>In einem unserer luxemburgischen Volkslieder heißt es: „Hu si d&#8217;Schoulbicher nach ënnert dem Arem, da gëtt et hinnen ëm d&#8217;Hierzer scho warem“. So muss es eines Tages auch drei Jungen und drei Mädchen im Waisenhaus ergangen sein: Auf dem Weg zur Messe war es ihnen gelungen, Zettelchen untereinander zu tauschen, auf denen stand: „Ich liebe dich!“ Da waren jedoch zu viele Aufpasser und es kam heraus.</p>
<p>Das war der Sündenfall! Der Pastor wurde bestellt und im Beisein der Hauptschwestern wurden die drei zur Hölle verdammt. Den drei Mädchen erging es wahrscheinlich genauso. Wer noch einmal ein Mädchen ansah, würde eine Todsünde begehen!</p>
<p>Für einige von uns, die nichts damit zu tun hatten, gab es Nachwehen: Allen Jungen des 5., 6. und 7. Schuljahres wurden mittels Nähmaschine die Hosentaschen zugenäht. Es gab ein großes Hallo, doch da niemand ein Taschenmesser hatte, blieben die Taschen bis zur Pause in der Schule zugenäht. Dort hatte jeder einen Bleistiftspitzer. Das Messer wurde abgeschraubt und „ritsche, ratsche“ waren die Taschen wieder auf. Sie wurden nie wieder zugenäht.</p>
<p>Am meisten freuten sich die Kinder auf den Donnerstag- und Sonntagnachmittag. Dann wurden stundenlange Spaziergänge durch die Vorstädte Grund, Clausen und Pfaffental bis hin zu den 3 Eicheln oder über die „Schlassbréck“ und die „Corniche“ unternommen.</p>
<p>Da wir selbst auf dem Rhamplateau in einem geschichtsträchtigen Teil der früheren Festung Luxemburg wohnten, blieb es nicht aus, dass jeder nach und nach ein echter Kenner unserer Landesgeschichte wurde.</p>
<p>Vom Schulhof aus hatten wir eine wunderbare Aussicht auf Verlorenkost. Vom Bahnhof Luxemburg her zieht sich ein Viadukt bis zum Rhamplateau. Dort teilen sich die Schienenstränge der Eisenbahn in die Nordlinie und die Ostlinie auf.</p>
<p>Vom Schulhof aus sahen wir ferner auf die „Schwemm“ unter dem Viadukt. Die Alzette war hier gestaut worden, und ein Freiluftbad war entstanden. Als Bademeister figurierten Soldaten unserer Freiwilligen Kompanie.</p>
<p>In der Stadt Luxemburg hatte sich schon vor einigen Jahren ein Waisenkinderwerk gebildet, dessen Ziel es war, elternlosen Kindern an St. Nikolaus, Weihnachten und auch zur Schobermesszeit einige frohe Stunden zu bereiten. Der dazu bestimmte Tag war jedes Jahr der Freitag der Schobermesswoche. In Frage kamen die Waisenkinder von der „Rumm“ und Limpertsberg.</p>
<p>Anfang der 30<sup>er</sup> Jahre wurde uns Kindern noch eine besondere Ehre zuteil! Erbprinz Jean (der spätere Großherzog, damals zirka 10 Jahre alt) erwartete uns mit seiner Gouvernante auf dem Glacisfeld und führte die ganze Schar von Kindern im Verein der Damen und Herren vom Waisenkinderwerk zu den „Päerdercher“ und den „Knuppautos“. Als wir nach einigen Stunden wieder nach Hause zogen, hatte jeder von uns einen Rucksack voll Süßigkeiten erhascht. Der Erbprinz war noch tagelang unser Hauptgespräch.</p>
<p>3-4 mal die Woche läutete die „Péis“ (Totenglocke). Dann hatte wieder jemand das Zeitliche gesegnet. Wenn dann dessen Begräbnis auf den schulfreien Nachmittag fiel, mussten wir, Jungen und Mädchen, Rosenkranz schwenkend den Kuberg hinauf hinter der Leiche eines uns völlig unbekannten Menschen gehen. Der Tote konnte zwar nichts dafür, aber wir grollten trotzdem, dass er uns den Nachmittag verdorben hatte.</p>
<p>Jedes Jahr wurde ein Teil der Matratzen „gerupft“, wie wir es nannten. Sie erhielten neue Bezüge. Sie waren mit Rosshaar, dem sogenannten „Kréng“ gefüllt. Damit diese Matratzen nicht verfilzten, musste der „Kréng“ mit den Händen gerupft werden. Dadurch wurde die Matratze wieder weich und luftig. Ich lernte in dieser Zeit, wie man eine Matratze näht und mit den Stöpseln verfestigt, damit sie Halt bekommt. Das Ganze machte uns Kindern Spaß, dies umso mehr, da manche Süßigkeiten abfielen.</p>
<p><a href="http://memories.lu/wp-content/uploads/Rumm_Anfang30.gif"><img class="alignnone size-medium wp-image-1027" src="http://memories.lu/wp-content/uploads/Rumm_Anfang30-212x300.gif" alt="Rumm_Anfang30" width="212" height="300" /></a></p>
<p>Anfang März 1933 ließ mich der Direktor rufen und teilte mir mit, man habe eine Arbeitsstelle bei einem Landwirt in Eschdorf für mich gefunden. Ich sollte mich sowohl in der Schneiderei als auch in der Schusterei vorstellen. Meinen Lohn von monatlich 75 Franken, würde er, als mein Vormund, auf ein Sparkassenbuch setzen und bis zu meinem 18. Lebensjahr verwahren. Damit wurde meinem Vater die Möglichkeit genommen, meinen Lohn einzuheimsen.</p>
<p>Am 15. März 1933 erschien meine zukünftige Meisterin, um mich abzuholen. In der Schneiderei hatte man mir zwei Anzüge mit langen Hosen angefertigt: einen für sonntags und einen für werktags, zusätzlich Unterwäsche und Strümpfe &#8211; alles in doppelter Ausführung. Aus der Schusterei wurden ein Paar Arbeits- und ein Paar Sonntagsschuhe Größe 39 angeliefert. Um alles einpacken und transportieren zu können, hatte die Schreinerei eine Holzkiste mit Holzdeckel und Absperrschloss bereitgestellt, an deren beiden Seiten je ein Griff angebracht war.</p>
<p>So fürs Leben ausgestattet, verließ ich gegen 3 Uhr nachmittags in Begleitung meiner Meisterin das Waisenhaus, in dem ich während vier Jahren eine zweite Heimat gefunden hatte. Was würde die Zukunft bringen?</p>
<p><a title="Bibliographie" href="http://memories.lu/?page_id=40"><em>Extrait aus dem  Buch &#8220;Deemools am Minett&#8221;</em></a></p>
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		<title>Nanns Märri strickte immerfort</title>
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		<pubDate>Mon, 19 Oct 2015 08:04:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Mariette Leuck]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Arbeit und Beruf]]></category>
		<category><![CDATA[20er Jahre]]></category>
		<category><![CDATA[Eisenborn]]></category>
		<category><![CDATA[Stricken]]></category>

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		<description><![CDATA[Nanns Märri wohnte mit ihrem Mann Pieri und einer Kinderschar in Eisenborn in einer Leibeigenenhütte, die es um 1920 noch gab. Die Hütte stand in der „Schnuddelgaass“, die damals nicht geteert war. Man kann sich vorstellen, wie sie bei regnerischem Wetter aussah: man konnte im Lehm schlittern. Von der Straße aus sah man Märris Bett [&#8230;]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Nanns Märri wohnte mit ihrem Mann Pieri und einer Kinderschar in Eisenborn in einer Leibeigenenhütte, die es um 1920 noch gab. Die Hütte stand in der „Schnuddelgaass“, die damals nicht geteert war. Man kann sich vorstellen, wie sie bei regnerischem Wetter aussah: man konnte im Lehm schlittern. Von der Straße aus sah man Märris Bett an der Wand stehen, denn die Tür stand meist offen. Morgens schleuderte Märri mit großer Geste den Inhalt eines riesigen Nachttopfs in die Gasse.<span id="more-816"></span></p>
<p>Pieri ging jeden Tag von Eisenborn über Blascheid nach Lorenzweiler. Mit dem Zug fuhr er dann nach Dommeldingen zur Schmelz. Abends, wenn er auf dem gleichen Weg nach Hause kam, trug er ein 5-pfündiges Brot unter dem Arm. Das war Pieris „Geige“.</p>
<p>Um den Lohn ihres Mannes aufzubessern, strickte Märri für die ganze Gegend: Strümpfe, Socken, Pulswärmer, Knieschoner oder Fäustlinge. Dafür stand sie meistens vor dem Haus, das Wollknäuel in der Schürzentasche. Sie strickte automatisch, zog eine Nadel aus der Arbeit, kratzte sich hinter dem Ohr und strickte sofort weiter. Manchmal weidete sie auch die Ziege am Straßenrand, strickte immerfort, immerfort und unterhielt sich mit den Nachbarn oder einfach mit Passanten. Sie konnte auch lange ins Leere blicken, während ihre Hände weiterarbeiteten. Doch es entglitt keine Masche und Märris Arbeit war Qualität. Lesen und schreiben konnte sie nicht. Der Brieftäger las ihr die Post vor. Einen etwaigen Brief setzte der Lehrer für sie auf. Dabei erkundigte sie sich pflichtgemäß nach dem Verhalten und den Fortschritten ihrer Kinder in der Schule.</p>
<p>Für diese Dienste „revanchierte“ sie sich und strickte für Lehrer und Briefträger besonders kunstvolle Socken und Fäustlinge.</p>
<p>„Ach ja“, sagte mein Vater. „Märris Arbeit war perfekt, doch sie nahm zu feine Nadeln und die Dinger „bissen“ und „kratzten“. Für den Brieftäger und den Lehrer nahm sie extra dünne Nadeln und strickte Zöpfe hinein. Die beiden aber beschwerten sich nie, für mich aber war allein der Gedanke an Märris gestrickte Zöpfe ein wahrer Albtraum.“</p>
<p>Aber Märri strickte weiter und weidete ihre Ziege bis sie nicht mehr konnte. Sie wurde in Ehren begraben.</p>
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		<title>Zu Ouljen</title>
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		<pubDate>Wed, 25 Feb 2015 07:24:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[André Hausmann]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Alltag]]></category>
		<category><![CDATA[20er Jahre]]></category>
		<category><![CDATA[30er Jahre]]></category>
		<category><![CDATA[Dorfleben]]></category>
		<category><![CDATA[Olingen]]></category>

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		<description><![CDATA[All Duef hat an der Zäit säin typische Profil. Zu Ouljen, am Syrdall, war dat net aneschters. Do war en zolitte Mënscheschlag usässeg, deen sech nach fest mat der „Scholl“ verbonne gefillt huet. Eescht an oprecht sinn d&#8217;Leit hirer Aarbecht nogaangen, an zéi a verbassen hunn se een Zil verfollegt: et am Liewen, op eng [&#8230;]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>All Duef hat an der Zäit säin typische Profil. Zu Ouljen, am Syrdall, war dat net aneschters. Do war en zolitte Mënscheschlag usässeg, deen sech nach fest mat der „Scholl“ verbonne gefillt huet. Eescht an oprecht sinn d&#8217;Leit hirer Aarbecht nogaangen, an zéi a verbassen hunn se een Zil verfollegt: et am Liewen, op eng éierlech Aart a Weis, zu eppes ze bréngen.<span id="more-644"></span></p>
<p>Dobäi hunn se sech iewer net vergruede gelooss, mä versicht, dem Liewen och déi schéi Säiten ofzegewannen. A wa gefeiert gouf, waren se um Dill. Et gouf der esouguer, déi ëmmer derbäi waren, wann eng Kaz geschleeft gouf. An doraus ass dann alt emol déi eng oder aner Hänk entstanen.</p>
<p>Hunn da Stëmmen sech gerouert, déi vu „versoffener Band“ gestéchelt hunn, huet de Gréiwe Feeschen, deen sech längst als leidenschaftleche Musiker am Duerf profiléiert hat, sech als Porte-Parole opgespillt, verschmiizt mat den A gezwinkert a spëttesch gesot: „All Mënsch schwätzt vun isem Soff, iewer kee vun isem Duuscht!“</p>
<p>An domat hat et sech. Keen huet méi gepippst an iwwer déi „versoffe Geschicht“ war erëm geschwë Gras gewues.</p>
<p>Den Duerfcharakter huet sech och besonnesch krass am Verhale vun den erwuessene Jongbauere gewisen. Si hunn no verierfte Prinzipie gehandelt a si sinn hire riichte Wee gaangen, ouni no lénks an no riets ze kucken, wann et gegollen huet, hir eege Rechter ze verdeedegen an déi materiell a moralesch Wäerter vun hirer Famill ze schützen.</p>
<p>Déi Astellung huet sech schonn an der Tatsaach gewisen, dass d&#8217;Hausdiere vun de Bauerenhäff ni gespaart waren, och net nuets. Mä et war duerfir sécherlech net méi einfach an esou e Gebai anzebriechen, wéi wann alles fest verrigelt gewiescht wier. Well hannert dem Bett hat de Jongbauer säi Juegdgewier stoen, an et muss een dervun ausgoen, dass et och geluede war. Et wier op jidde Fall kengem ongebiedene Gaascht unzerode gewiescht, nuets an esou engem Schlofzëmmer opzedauchen. A wierklech vun engem Abroch huet een déi Zäit ni eppes héieren.</p>
<p>Dee riichten stolze Charakterzug haten déi deemoleg Bauerejonge vun hire Virfahren iwwerholl. Well schonn zwou bis dräi Generatioune virdrun hunn d&#8217;Bauere mat Läif a mat Séil un hirer Scholl gehaangen an hiert erierfte Land, als Basis vun hirer Existenz, méi wäertvoll gehalen, wéi déi interessantst materiell Verlockungen. Si hu stur op hire Grond a Buedem gesat.</p>
<p>Nëmmen esou ass et ze verstoen, dass an der Mëtt vum virege Jorhonnert déi deemoleg Grondbesëtzer der Eisebunnslobby, déi d&#8217;Streck Lëtzebuerg-Tréier baue sollt, hiert Land net ofgetrueden hunn, fir dass déi néideg Infrastruktur fir de Bau vun enger Gare mat allem Drum und Dran hätt kënne geschafe ginn.</p>
<p>Och zu Menster gouf d&#8217;Eisebunnsgesellschaft ofgewisen. An esou blouf soss näischt iwwreg, wéi d&#8217;Gare op Rued/Syr ze bauen, dat deemols bei wäitem déi klengst Uertschaft an der Géigend war, iewer nom Bau vun der Gare wéi eng Kochel aus dem Buedem geschoss as.</p>
<p>En etlech typesch Individualisten hunn sech zu Ouljen, grad wéi och an aneren Uertschaften, an der Duerfgemeinschaft profiléiert a sinn duerch dës oder déi Partikularitéit opgefall.</p>
<p><strong>De Millerjoss</strong></p>
<p>Do war z.B. de Millerjoss, dee vu Liewesfreed iwwergeschaimt ass an doduerch dacks seng Matbierger mat  virugerass, se iewer och duerch seng extra Possen ameséiert huet.</p>
<p>Hie war e Mënschefrënd par excellence an op der Mille stung d&#8217;viischt Dier weidenhaffen op an all Mënsch war wëllkommen. De Millejoss an och seng Fra waren iwweraus mëtschgieweg, a méi wéi eemol gouf do eng gehalen an de Schnorri ass räichlech gefloss.</p>
<p><strong>Den Zierden Albert</strong></p>
<p>Ganz jonk schonn hat den Zierden Albert seng Jalongen am Duerf gesat an hien ass vun ugangs der 30er Joeren net méi aus dem Duerfliewen ewechzedenken. Well hien eng extra Begabung an eng aussergewéinlech Freed fir dat Musikalescht hat, huet hien de Posten als Dirigent vum Ouljer Gesangveräin iwwerholl.</p>
<p>Desweideren huet den Albert, als Chef vun engem Bauerenhaff eng wichteg Roll am Genosseschaftswiese vum Duerf gespillt, wou hien ëmmer eng dreiwent Kraaft war. Hien huet och eng Agentur vun der Raiffeisekeess opgemaach an zwar an engem Raum vu séngem Bauerenhaff, wou e vill Leit a finanzielle Froen eng wäertvoll Hëllef war.</p>
<p>Ech hat mech, mat en etlech vun menge Klassekomeroden, am 4. Schouljoer och bei den Albert an de Gesank gemellt. Mir haten iewer vum Sangen nach net vill Ahnung. Duerfir huet den Albert eis alt heiansdo eleng an de Veräinsbau geruff, fir extra mat eis ze prouwen.</p>
<p>Hie wollt och aus deeër duerchdriwwener Band, wéi mir Kärelen dacks am Duerf betitelt goufen, akzeptabel Sänger maachen. Mä dat war net einfach! Well mir haten eis Gedanke meeschtens méi bei de Spiichten, wéi beim Albert sengen Nouten. An dacks hu mer gekickelt an heemlech matenee gepëschpert.</p>
<p>Du ass op eemol dem Albert de Kolli geplatzt an hien huet gejaut: „Haalt de Bak a sangt!“</p>
<p>Soubal den Albert seng Opfuerderung eraus hat, hunn déi mutwëlleg Sänger sech bekuckt a sinn dunn erausgeplatzt mat Laachen. Och den Albert gouf vun deeër allgemenger Laazechkeet ugestach an hien huet haart matgelaacht, well seng widderspréchlech Ausso him och op eemol droleg virkoum.</p>
<p>D&#8217;Situatioun war gerett a mat neiem Äifer si mir erëm un d‘Aarbecht gaangen.</p>
<p><strong>De Kiercheschwäizer</strong></p>
<p>Ee Mann, deem een ni zougetraut hätt, dass en sech eng Kéier am Duerf kënnt profiléieren, war de Wilgés Joss. Hie war e rouege Mann, deen senger Aarbecht nogoung an an der Ëffentlechkeet ni opgefall war, bis et dem Paschtouer Zeimes gelonge war, hien ze motivéieren, de Posten als Kiercheschwäizer unzehuelen.</p>
<p>Den Här Zeimes war en energëschen an dynamësche Paschtouer, deen iwwerzeegt war, dass e pronkhaften Zeremoniell an der Kierch seng Wierkung op seng Parkanner net géif verfeelen. An den Erfolleg, deen d&#8217;Aféierung vum Schwäizer-Posten bruecht huet, war evident, souwuel fir d&#8217;Kierchebesucher wéi fir den neien Amtsträger selwer.</p>
<p>Fir d&#8217;éischt emol gouf d&#8217;Disziplin an der Kierch besser. Et war kaum nach een esou kéng, virun der Kierch stoen ze bleiwen, wann d&#8217;Klacke fir d&#8217;Sonndesmass ofgelaut haten. Och déi sougenannte Stéiplazen hannen an der Kierch sinn eidel bliwwen, sou laang genuch Sëtzplazen an de Bänke waren. An d&#8217;Drückeberger, déi ëmmer an der däischterer Ducksallstrap an der Massenzäit beienee stungen an sech déi neiste Witzen erzielt hunn, waren ewéi vum Erdbuedem verschwonnen.</p>
<p>Mir Kanner souzen an eise Bänken op de Knéie wéi kleng Helleger an hu mat groussem Respekt op déi stattlech Gestalt vum Schwäizer gekuckt, wann deen a vollem Ornat a mat sengem gëllene Staf an der Hand, würdevoll duerch de mëttelste Kierchegank getrëppelt ass a säi strenge Bléck iwwer hir Käpp ewech schwiewe gelooss huet.</p>
<p>Neen, dat do war fir d&#8217;Bouwen nët méi de Wilgés Jhoss, neen dat do war eng kiirchlech Autoritéit! Déi ganz Erscheinung huet d&#8217;Bouwe vill ze vill un de Bëschof vu Lëtzebuerg an un de Kleesjen erënnert, fir dass se de Kiircheschwäizer nët hätten eescht sollen huelen.</p>
<p>A ganz sécher war de Schwäizer selwer vun senger Wichtegkeet iwwerzeegt, wat sech natierlech an sengem „zivile Liewen“ gënschteg op seng Perséinlechkeetsentwécklung ausgewierkt huet.</p>
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		<title>De Karschnatz &#8211; 2. Deel: Et gëtt gedresch</title>
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		<pubDate>Tue, 30 Sep 2014 04:18:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[André Hausmann]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Arbeit und Beruf]]></category>
		<category><![CDATA[20er Jahre]]></category>
		<category><![CDATA[30er Jahre]]></category>
		<category><![CDATA[Landwirtschaft]]></category>
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		<description><![CDATA[Deemools haten déi déck Baueren &#8211; dat waren déi, déi op d&#8217;mannst 5 oder 6 Päerd am Stall stoen haten &#8211; eng Manege an deeër eng „mechanesch“ Dreschmaschinn amenagéiert war a vun engem Päerd a Beweegung gesat ginn ass. Dat Ganzt huet een un e Karussell erënnert. An dat aremt Päerd, dat fir déi Aarbecht [&#8230;]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Deemools haten déi déck Baueren &#8211; dat waren déi, déi op d&#8217;mannst 5 oder 6 Päerd am Stall stoen haten &#8211; eng Manege an deeër eng „mechanesch“ Dreschmaschinn amenagéiert war a vun engem Päerd a Beweegung gesat ginn ass. Dat Ganzt huet een un e Karussell erënnert. An dat aremt Päerd, dat fir déi Aarbecht virgesi war, huet missen, gedëlleg wéi e Schof, am Krees ronderëm goen. D&#8217;Dreschen an der Manege war zwar nach eng Gedoldsaarbecht, mä géintiwwer dem Dresche mam Fléiwel a mat der Maschinn, déi mat Muskelkraaft ugedriwwe gouf, war et dach e gewaltege Fortschrëtt.<span id="more-327"></span></p>
<p>An trotzdem hunn deemools d&#8217;Baueren agesin, dass se sech missten zesummendin, fir hir Aarbecht méi séier a méi kamoud kënnen ze maachen. Duerfir sinn déi Zäit praktesch op all Duerf „Lokalveräiner“ entstanen. Op déi Manéier wollten d&#8217;Baueren hir Kräften an hir finanziell Mëttel zesummendin, fir sech déi landwirtschaftlech Maschinne kënnen unzeschafen, déi et du scho gouf, mä schrecklech deier waren. Esou ass op eemol eng technesch Revolutioun an den Dierfer ausgebrach, besonnesch wat d&#8217;Aarbechte vum Karschnatz ugoung. Geschwënn gouf d&#8217;Fruucht mam Binder geméit, eng fir déi Zäit formidabel Maschinn, déi net nëmmen d‘Éie geméit, mä och zu Gaarwen zesummegebonnen huet, an esou goung d&#8217;Aarbecht da vill méi séier vun Hand.</p>
<p>D&#8217;Meeschterleeschtung vum Ouljer Lokalveräin iewer war d&#8217;Uschafe vun enger gewalteg grousser Dreschmaschinn, déi nom Karschnatz vun engem Bauerenhaff zum anere bruecht gouf. Fir dat Ongeheier a Betrib ze setzen, gouf de Feesche mat sénger Seemaschinn engagéiert. Dorun hat hien e Schwongrad, un deem eng Pulli montéiert war. Mat engem laange Rimm gouf d&#8217;Verbindung mat der Dreschmaschinn hirgestallt. An da konnt et lassgoen.</p>
<p>Ee schéine, sonnege Septembermoie war d&#8217;hallef Duerf op de Been. Et gouf an engem Bauerenhaff gedresch. Aus all Bauerebetrib, dee Member vum Lokalveräi war, war e staarke Mann delegéiert, fir ze hëllefen. D&#8217;Dreschmaschinn war esou gestallt, datt se mam hënneschten Deel an der Scheierpaart stong.</p>
<p>De Feeschen as geschäfteg ëm seng Maschinn erëm getrëppelt an huet déi lescht Preparative getraff. Endlech huet en de Motor ugekéiert, deen sech mat vill Kaméidi a Getëffs a Beweegung gesat huet. Wann en dann op Toure war, huet de Feeschen dee laange Rimm mat engem Hiewel vum Leerlauf op d&#8217;Aarbechtspulli eriwwergedréckt a mat engem déiwe Brummtoun huet déi gewalteg Mechanik vun der Dreschmaschinn ugefaangen sech ze beweegen. Dee Moment huet de Feeschen aus senger Maschinn erausgeholl, wat an er stouch. De Motor huet gehault a gepouft, wéi wann e Long a Liewer misst erëmginn! Mä en huet et gepackt a geschwënn huet e konstanten, hellen Toun, deen duerch Muerch a Schank goung, verroden, dass déi ganz Maschinnerie géng prima funktionéieren. De Feesche war zefridden an huet eng Päif gestoppt.</p>
<p>Déi ganz Aarbechtskolonn as iwwerdeems an Aktioun getrueden. Uewen op der Genn stong en zolitte Kärel mat enger Gafel am Grapp, fir d&#8217;Gaarwen erof an de Scheierdenn ze geheien. Vun do aus huet en zweeten d&#8217;Gaarwen op d&#8217;Dreschmaschin eropgereecht, wou en drëtten se mat der Hand geholl huet, a bei den Agank vun der Dreschariichtung gereecht huet. Do souz en aneren op de Knéien an huet mat engem kromme Messer d&#8217;Seeler vun de Gaarwen duerchgeschnidden. E weideren Aarbechter, an engem gewësse Sënn e Spezialist, huet mat Fangerspëtzegefill déi lassen Éien schéi verdeelt an d&#8217;Maschinn eragelooss. Do goufen se vun Eisenäerm, déi gedréit hunn, erfaasst an zerzaust an d&#8217;Käre sinn aus den Éien erausgeflunn. En agebaute Wann huet Loft produzéiert, an de Kuerf mat ewechgeblosen deen zur Säit vun der Dreschmaschinn erausgeschoss koum, wou en op e Koup gedriwwe gouf. D&#8217;Kären, déi méi schwéier sinn, sinn no ënnen an d&#8217;Maschinn erofgefall, wou se um Enn a Säck dirigéiert goufen, déi hannn un der Dreschmaschin festgemaach waren.</p>
<p>Do stonge gewéinlech déi zwéi stäerkst Maansleit an hunn d&#8217;Säck iwwerwaacht, fir dass alles säi richtege Wee sollt goen. Wann e Sak voll war, gouf e mat enger Ficelle zougestréckt an dann huet ee vun deenen zwéin Herkulen déi schwéier Ball op de Bockel gehuewe kritt. An ouni ze zécken an zoen ass en da bis op de „Fruuchtspäicher“ am Bauerenhaus eropgaangen, wou d&#8217;Kären ausgeschott verspreet goufen, fir dass se kënnten dréchnen, éier se an d&#8217;Mille gefouert goufen. Do sinn se zu Miel, Oots a Krësch verschafft ginn.</p>
<p>Déi eidel Éien sinn op enger Zort Holzraster, deen sech ruckarteg an der Maschinn beweegt huet, „ausgestouss“ ginn, wou se an e Stréibinder gefall sinn. Doranner war e Knelen Bindeschficelle, déi sech duerch d&#8217;Beweegungen vum ganze Mechanismus lues a lues ofgewéckelt huet. Wa genuch Stréi am Binder louch, huet, o Wonner, eng Automatik d&#8217;Ficelle zesummegeknëppt an ofgepëtzt an déi fäerdeg Gaarf gouf vum Binder ausgescheet. Derniewent stong nees e Mann mat enger Gafel an huet déi gebonne Gaarf op en Heeleederwon eropginn, wou erëm en „déngschtbare Geescht“ d&#8217;Gaarwe konschtgeriecht openee getässelt huet. Wann de Won voll war, gouf en op d&#8217;Wiss gefouert, wou d&#8217;Gaarwen ofgelueden an zu engem immense Kaascht opgebaut gi sinn.</p>
<p>Well et bei der Dreschmaschinn ëmmer fatzeg gestëbst huet, sinn den Drescher hir Strassen dacks dréche ginn wéi eng Äschekaul. Duerfir gouf vun Zäit zu Zäit, op Uerder vum Feeschen, d&#8217;Seemaschinn, an domat och d&#8217;Dreschmaschinn gestoppt. De Bauer, bei deem gedresch gouf, gung elo mat der Branntewäinsfläsch an engem Glas rondrëm an huet jidderengem, dee gehollef hat, eng Drëpp erausgeschott. Déi gouf dann, ouni dass de Mann mat de Wimpere gezuckt hätt, mat engem Coup d&#8217;Strass erofgekippt.</p>
<p>Dann huet e mat raschteger Stëmm gehemmst an de Bauer huet eng zweet Drëpp an de Gubbeli geschott a gesot: „Dajee, huel nach eng, op engem Bee kann ee jo net gutt stoen!“</p>
<p>No deeër wierklech verdéngter Paus ass d&#8217;Aarbecht dann nach eng Kéier sou gutt gewach.</p>
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		<title>De Karschnatz &#8211; 1. Deel: D&#8217;Fruucht gëtt geméit</title>
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		<pubDate>Mon, 22 Sep 2014 06:31:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[André Hausmann]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Arbeit und Beruf]]></category>
		<category><![CDATA[20er Jahre]]></category>
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		<description><![CDATA[Ausgangs deeër 20er Joeren hunn d&#8217;Baueren zu Ouljen de Karschnatz nach no der aler Method gemaach. Soubal si festgestallt hunn, dass d&#8217;Geescht, d&#8217;Kar, de Wees oder d&#8217;Huewer zeideg genuch war, gouf de Kniecht oder ee vun de Bauerejongen an d&#8217;Stéck geschéckt, fir mat der Flaus „lasszeméien“, dat heescht, hien huet laascht dem Noper säi Stéck [&#8230;]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Ausgangs deeër 20er Joeren hunn d&#8217;Baueren zu Ouljen de Karschnatz nach no der aler Method gemaach. Soubal si festgestallt hunn, dass d&#8217;Geescht, d&#8217;Kar, de Wees oder d&#8217;Huewer zeideg genuch war, gouf de Kniecht oder ee vun de Bauerejongen an d&#8217;Stéck geschéckt, fir mat der Flaus „lasszeméien“, dat heescht, hien huet laascht dem Noper säi Stéck „e Gankbreet“ geméit, fir dass Plaz genuch do wier, fir mat der Méimaschinn den nächste Gank kënnen ëmzeleën, ouni brauchen iwwer dem Noper säi Stéck ze fueren. Wann eng Rei ëmlouch, huet de Fruuchtméiert sech Seeler aus Stréi gemaach. An all Hand huet en eng gewëssen Zuel Stréihällem geholl a se mat vill Geschéck mat engem Knuet unenee gestréckt. Sou hat en dann e Seel, dat laang genuch war, fir eng déck Gaarf dermatt zesummenzebannen.<span id="more-319"></span> Mat enger Séchel goufen d&#8217;Éien vum Buedem opgehuewen bis en décken Aarbel voll beiënee war. Dee gouf dann op d&#8217;Stréiseel geluegt a mat engem gekonnte Grëff ëm d&#8217;Hällem gezunn a mat engem zolitte Knuet festgemaach.</p>
<p>Soubal wéi d&#8217;Lassméie fäerdeg war, koum de Bauer mat sénger Méimaschinn, déi vun zwee staarke Päerd gezu gouf, op d&#8217;Stéck. Do huet en de Méibalken, dee riicht d&#8217;Luucht aus stung, mat engem Hiewel lues op de Buedem erofgelooss. Wann d&#8217;Päerd dann ugezunn hunn, ass e laangt zackegt a schaarft Messer am Balken hin an hier gaangen an dobäi sinn d&#8217;Éien ganz gemällech iwwer de Balken no hanne gefall. Dat schaarft Messer hat se just iwwer dem Buedem ofgeschnidden.</p>
<p>Hannert der Méimaschinn ass dann eng ganz Schwadrull Leit aktiv ginn. Et ware gewéinlech: d&#8217;Bauerefra, d&#8217;Mod, d&#8217;Kanner vun der Bauerefamill, d&#8217;Noperen oder Doléiner, déi fir hir Aarbecht entschiedegt goufen, sief et, dass se um Bauerenhaff fir näischt bekäschtegt goufen, sief et, dass de Bauer hir Feldaarbecht gratis gemaach huet. Well déi Zäit hu praktesch all Duerfleit nach en etlech Këpp Land fir sech beaker.</p>
<p><a href="http://memories.lu/wp-content/uploads/Karschnatz_hausmann.gif"><img class="alignnone size-medium wp-image-324" src="http://memories.lu/wp-content/uploads/Karschnatz_hausmann-300x198.gif" alt="Karschnatz_hausmann" width="300" height="198" /></a></p>
<p>Déi ganz Equipe Leit hannert der Méimaschinn hunn sech d&#8217;Aarbecht opgedeelt. D&#8217;Kanner hu gewéinlech d&#8217;Seeler, déi schonn doheem preparéiert gi waren, a gewëssen Ofstänn op de Buedem geluecht. D&#8217;Bauerefra an d&#8217;Meed hunn d&#8217;Éien mat hirer Séchel opgehuewen an op d&#8217;Seeler getässelt. En Doléiner, gewéinlech e Spezialist am Knietmaachen, huet d&#8217;Gaarwen zesummegebonnen an um Buedem leie gelooss. E spuer Jugendlecher hunn zum Schluss d&#8217;Gaarwen zu 9 oder zu 10 beienee geschleeft an se dann zu engem Kaascht zesummegestallt, dee wéi e Stär forméiert gouf. Eng Gaarf gouf poulriicht dohinner gestallt. Véier anerer si schif, zu zwou an zwou am Kräiz géintiwwer derwidder gestäipt ginn. Zum Schluss sinn an déi 4 Intervallen, déi dann nach bestanen hun, je eng weider Gaarf eragedréckt ginn.</p>
<p>Heiansdo, zemol wann de Bauer dem Wieder net richteg getraut huet, gouf och nach eng zéngte Gaarf verkéiert uewen op de Kaascht &#8211; als Mutz &#8211; getässelt. Déi sollt d&#8217;Éien vun deenen 9 anere Gaarwen esou gutt wéi méiglech géint de Reen schützen, well déi meescht Reendrëpsen laascht hir Stréihällem ofgeleet goufen. Wann iewer an engem Summer eng reenerech Period wochelaang ugehalen huet, wat alt emol virkoum, konnt alles näischt déngen: d&#8217;Käre sinn ausgewuess &#8211; et gouf „Zweewuess“ an de Bauer konnt net méi vill mat sénger Recolte ufänken. All Aarbecht war „fir d&#8217;Kaz“ an d&#8217;Baurefamill huet dat Joer de Rimm alt e bëssche méi fest missen zouzéien.</p>
<p>Gouf et iewer e schéine, sonnegen August, da sinn d&#8217;Kären op de Käscht gutt gedréchent an de Karschnatz konnt ofgeschloss ginn, d.h. d&#8217;Gaarwe goufe mam Heeleederwon heem an d&#8217;Scheier gefouert. Do sinn se eng no deeër anerer mat Gafele vum Won aus vun enger gellecher Mënschekette virugereecht ginn, bis se um Enn uewen op der Scheiergenn gelant sinn. Hei bloufen d&#8217;Gaarwen da leien, bis an den Hierscht eran, dacks esouguer bis an de Wanter, éier gedresch konnt ginn.</p>
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		<title>Menger Mamm hiren Néieschatelier</title>
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		<pubDate>Fri, 16 May 2014 07:57:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[André Hausmann]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Arbeit und Beruf]]></category>
		<category><![CDATA[20er Jahre]]></category>
		<category><![CDATA[Esch/Alzette]]></category>
		<category><![CDATA[Kindheit]]></category>

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		<description><![CDATA[Et war ëm 1925, wéi meng Mamm sech nom fréien Doud vu mengem Papp zu Esch, op der Norbert-Metz-Plaz, e Bitzatelier ageriicht hat, wou si zäitweis zwee Meedercher beschäftegt huet. Ech hu mech, als klenge Bouf, ëmmer missen no beim Atelier ophalen, fir datt meng Mamm mech an den Ae konnt behalen. Wann ech es [&#8230;]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Et war ëm 1925, wéi meng Mamm sech nom fréien Doud vu mengem Papp zu Esch, op der Norbert-Metz-Plaz, e Bitzatelier ageriicht hat, wou si zäitweis zwee Meedercher beschäftegt huet.</p>
<p>Ech hu mech, als klenge Bouf, ëmmer missen no beim Atelier ophalen, fir datt meng Mamm mech an den Ae konnt behalen. Wann ech es genuch hat, fir mat mengem klengen Dräirad iwwer de Palier vum Stack, vun engem Zëmmer an dat anert ze jauwen, hunn ech mech mat engem zolitte Magnéit ameséiert. Domat sinn ech iwwer de Buedem gefuer an hu mech wéi e Geck gefreet, wann d’Spéngelen aus den Ecken an de Foue vum ,,Plancher” oder hannert engem Dësch oder Stullbeen mat aller Vitesse erfort geschoss koumen an u mengem Zaubereisen hänke bloufen.<span id="more-60"></span><a href="http://memories.lu/wp-content/uploads/Neieschatelier.tif"><img class="alignnone size-medium wp-image-61" src="http://memories.lu/wp-content/uploads/Neieschatelier.tif" alt="Neieschatelier" width="1" height="1" /></a></p>
<div id="attachment_66" style="width: 310px" class="wp-caption alignnone"><a href="http://memories.lu/wp-content/uploads/Neieschatelier.jpg"><img class="size-medium wp-image-66" src="http://memories.lu/wp-content/uploads/Neieschatelier-300x183.jpg" alt="An engem Schneideratelier ëm 1925" width="300" height="183" /></a><p class="wp-caption-text">An engem Schneideratelier ëm 1925</p></div>
<p>&nbsp;</p>
<p>Heiansdo hunn ech iewer och den Néiesche bei hirer Aarbecht nogekuckt, wa se eppes Extraes geschafft hunn. Eent vun de Meedercher huet e grousst Blat Pabeier &#8211; e sougenannte Patron &#8211; op de Bitzdësch geluecht. Mat engem gezackte Riedchen ass et dann iwwert dat grousst Blat gefuer, op deem e richtegen Duerchernee vu punktéierten, gestréchelten, fortlafende Linnen opgezeechent waren. Hatt huet natierlech misse gutt oppassen, fir ëmmer der virgeschriwwener Linn nozefueren. Um Enn war dann e richtegt Schnëttmuster um Pabeier kopéiert. Dat ass ausgeschnidden an op e Stéck Stoff geluecht ginn, wou dann d’Konture mat Schneiderkräid agezeechent goufen.</p>
<p>Zum Schluss huet d’Patronne mat enger grousser Schéier de Modell erausgeschnidden, sief et dat Viischt, de Réck, en Aarm oder soss e Stéck vun engem neie Kleed. Dës Stécker si fir d’éischt vun der Bitzjoffer unenee gefooscht an duerno vun der Patronne op der Bitzmaschinn &#8211; déi deemools nach mat de Féiss betätegt gouf &#8211; definitiv zesummegebutt ginn.</p>
<p>Dat zweet Meedchen huet un engem Rack geschafft, deen un enger liewensgrousser ,,Umoosspopp” houng, déi ganz distinguéiert ,,Mannequin” genannt gouf. D’Bitzjoffer, déi ëm hiren Hals e flexibelen ,,Zentimeter” hänken hat, huet d’Ofstänn gemooss, wou d’Knäpplächer komme sollten an op déi Plaze Spéngele gestach. Mä d’Knäpplächer an de Stoff ze schneiden, huet d’Meedchen der Patronne iwwerlooss, grad ewéi d’Strecke vum fäerdege Kleed. An dat besonnesch, wann et sech ëm delikat Stëfter gehandelt huet, wéi Seid, Satin, Crêpe-Georgette oder Crêpe de Chine.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Extrait aus dem RBS-Buch <em>„Et war een deemools net méisseg“, Al Beruffer a Broutverdéngschter, Band 1</em></p>
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		<title>Ein ereignisreiches junges Leben</title>
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		<pubDate>Thu, 15 May 2014 21:11:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Bertha Schroeder-Poiré]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Lebenslauf]]></category>
		<category><![CDATA[20er Jahre]]></category>
		<category><![CDATA[30er Jahre]]></category>
		<category><![CDATA[40er Jahre]]></category>
		<category><![CDATA[50er Jahre]]></category>
		<category><![CDATA[Arbeit und Beruf]]></category>
		<category><![CDATA[Arbeitsdienst]]></category>
		<category><![CDATA[Kindheit]]></category>
		<category><![CDATA[Krieg]]></category>

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		<description><![CDATA[Ostern 1924 Meine Eltern, Anna Streitz und Charles Poiré, heirateten am 20. Mai 1920. Meine Mutter war eine tüchtige Näherin, aus diesem Grunde hatte sie erst später geheiratet. Mein Vater war Bauunternehmer. Er arbeitete mit zwei Arbeitern aus dem Nachbarsdorf. Heute steht noch immer ein Haus in Senningerberg, welches mein Vater gebaut hat. Mein Vater arbeitete [&#8230;]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<h2 lang="de-DE">Ostern 1924</h2>
<p align="JUSTIFY">Meine Eltern, Anna Streitz und Charles Poiré, heirateten am 20. Mai 1920. Meine Mutter war eine tüchtige Näherin, aus diesem Grunde hatte sie erst später geheiratet. Mein Vater war Bauunternehmer. Er arbeitete mit zwei Arbeitern aus dem Nachbarsdorf. Heute steht noch immer ein Haus in Senningerberg, welches mein Vater gebaut hat.</p>
<p align="JUSTIFY">Mein Vater arbeitete öfters in Frankreich, denn damals wurde noch nicht so viel in unserm Land gebaut. Er und sein Schwager Mathias Grethen beschlossen, für ein Jahr ganz nach Frankreich arbeiten zu gehen. Jeden Monat schickte Vater meiner Mutter das Geld zum Leben. Mein Bruder Jean-Pierre war damals erst zwei Jahre alt. Als aber wieder mehr Arbeit in Luxemburg war, kamen sie zurück nach Hause.</p>
<p align="JUSTIFY"><span id="more-15"></span></p>
<p align="JUSTIFY">Eines Tages &#8211; meine Eltern waren damals vier Jahre verheiratet &#8211; stürzte eine Mauer in Senningen ein und mein Vater bekam den Auftrag, sie wieder in Stand zu setzen. Da sie nur zu dritt waren, half er seinen Gesellen bei der schweren Arbeit. Es regnete während der ganzen Zeit, und so kam es, dass er sich böse erkältete. Er kam nach Hause und klagte über Kopfschmerzen. Meine Mutter sagte: „Nimm ein Aspirin und leg dich ins Bett.“</p>
<p lang="de-DE" align="JUSTIFY">Mein Vater legte sich nieder und stand nicht mehr auf. Er war an einer schweren Lungenentzündung erkrankt. Meine Mutter rief gleich zwei Ärzte, einer kam aus Luxemburg und der andere aus Junglinster, aber es war alles umsonst. Damals hatten sie noch keine Medikamente, so wie das heute der Fall ist. Die Ärzte kamen und gingen ohne etwas auszurichten. Zu dieser Zeit erwartete meine Mutter gerade ihr zweites Kind, und das war ich. Am 18. Tage seiner Krankheit sagte mein Vater in den Armen meiner Mutter: „Jetzt bekommen wir eine Tochter, die wird ihren Vater nicht mehr kennen, es ist die kleine Bertha.“ Das waren seine letzten Worte.</p>
<p lang="de-DE" align="JUSTIFY">Am Gründonnerstag wurde mein Vater begraben und ich wurde am Karfreitag, dem 18. April 1924, geboren.</p>
<h2 lang="de-DE">Kindheit im Senninger Schloss</h2>
<p align="JUSTIFY">Da mein Vater in keiner Kasse war, bekam meine Mutter auch keine Rente. So begann sie wieder zu arbeiten und verdiente auch bald gutes Geld vom Nähen. Ihr Vater war 30 Jahre lang Gärtner im Senninger Schloss. Er war dort sehr beliebt und verdiente gut. Als ich ins erste Schuljahr kam, meldete sich die Frau Wenandy vom Schloss bei meiner Mutter und fragte, ob sie bereit sei, auf dem Schloss zu arbeiten. Ich erinnere mich noch ganz genau, denn es war um die Osterzeit und Frau Wenandy hatte uns Ostereier mitgebracht.</p>
<p lang="de-DE" align="JUSTIFY">Meine Mutter antwortete freundlich: „Ja, aber nur wenn ich die Kinder mitbringen darf.“ Da mein Bruder und ich gut erzogen waren, durften wir mit aufs Schloss. Das war für uns eine sehr schöne Zeit!</p>
<p align="JUSTIFY">Dort gab es einen kleinen Weiher, in dessen Mitte ein Wasserstrahl in die Höhe schoss. Mit einem Schlüssel konnte Herrn Wenandy den Wasserstrahl zudrehen und wir Kinder konnten Boot fahren! Die Mitte des kleinen Weihers nannten wir &#8220;Paris&#8221;. Ich wollte immer nach Paris gefahren werden.</p>
<p align="JUSTIFY">Neben dem Weiher war eine große Schaukel. Wir flogen mit ihr hoch über das Wasser, Angst kannten wir damals noch nicht. Was wäre geschehen, wenn wir ins Wasser gefallen wären? Dann wären wir bestimmt ertrunken, denn der Weiher war tief. Jemp, einer der Knechte, musste beim Reinigen immer ganz hohe Stiefel anziehen.</p>
<div id="attachment_9" style="width: 232px" class="wp-caption alignnone"><a href="http://memories.lu/wp-content/uploads/Bertha-Senningerschlass.jpg"><img class="size-medium wp-image-9" src="http://memories.lu/wp-content/uploads/Bertha-Senningerschlass-222x300.jpg" alt="Die kleine Bertha Poiré im garten des Senninger Schlosses" width="222" height="300" /></a><p class="wp-caption-text">Die kleine Bertha Poiré im Garten des Senninger Schlosses</p></div>
<p>&nbsp;</p>
<h2 lang="de-DE">Kirschenzeit und Heuernte</h2>
<p align="JUSTIFY">Es war Kirschenzeit und die Bäume trugen in Hülle und Fülle. So kam auch der dicke Fenny um Kirschen zu pflücken. Fenny lehnte die Leiter an einen Stamm und sagte zu uns Kindern, wir sollten uns unten mit den Füßen dagegenstemmen, damit sie nicht umfiel.</p>
<p align="JUSTIFY">Das war gut überlegt, und wir beide gehorchten. Aber je höher Fenny stieg, umso mehr fing die Leiter an zu wackeln und begann, sich hin und her zu bewegen. Da krachte es auch schon und Fenny lag unter der Leiter. Er tat keinen Mucks mehr.</p>
<p align="JUSTIFY">Da ging mir ein Licht auf! Ich hatte meinen kleinen Eimer, der für die Kirschen bestimmt war. So schnell ich konnte, lief ich zum Bach, der aus dem Wald floss, und füllte meinen Eimer. Dann rannte ich, so schnell mich meine Beine trugen, zurück zu Fenny. Unterwegs verlor ich meine Sandalen, aber das war mir egal. Ich goss Fenny, das Wasser übers Gesicht, schlug ihm auf die Backen und rief: „Fenny, wach auf!“</p>
<p align="JUSTIFY">Auch Etty lief so schnell er konnte und rief seinen Vater, der dann auch sofort herbeieilte! Gott sei Dank war Fenny inzwischen wieder aufgewacht. Sein Vater lobte mich und sagte: „Das hast du gut gemacht.“ Ich stand da und war ganz nass, aber das war ja nicht so wichtig! Hauptsache wir waren mit dem Schrecken davon gekommen. Wir hoben die Leiter auf und Fenny kroch gesund und munter heraus, bedankte sich und stieg in Zukunft nie mehr auf die Leiter. Von dem Zeitpunkt an musste Jemp, der Knecht, immer auf die Leiter steigen um Obst zu pflücken. Das ging besser, denn er war nicht so dick!</p>
<p align="JUSTIFY">Es gab noch andere Bäume im Schlossgarten, viele verschiedene Sorten. Herr Wenandy hatte uns erlaubt, alles zu pflücken und zu essen, nur bei einer Sorte war es verboten, und die hießen &#8220;Hondsbaken&#8221;. Diese Sorte Äpfel war bestimmt für Martha, eine Kusine meiner Mutter, die sollte sie mit zum Markt nehmen. Es war wie damals im Paradies: die verbotenen Früchte lockten zu sehr. Wir probierten sie heimlich und weil sie gar so gut schmeckten, aßen wir immer mehr davon.</p>
<p lang="de-DE" align="JUSTIFY">Da aber erschien plötzlich Herr Wenandy, und Etty rief: „Schnell in die Scheune, wir verstecken uns lieber.“</p>
<p align="JUSTIFY">Als Herr Wenandy feststellte, dass nur noch ein paar Äpfel am Baum hingen, konnte er sich leicht denken, wer die Diebe waren, und das Donnerwetter folgte auf dem Fuß. Was meint ihr, da bekamen wir Schläge! Etty von seiner Mutter und ich natürlich auch von meiner. Das haben wir nie mehr vergessen.</p>
<p align="JUSTIFY">Immer, wenn das Heu in die Scheune gefahren wurde, versteckten wir Kinder uns im Heuhaufen, denn wir hatten keine Lust zum Helfen. Zum Transport wurden damals Pferde bei einem Bauern ausgeliehen und die zogen die voll beladenen Wagen in die Scheune.</p>
<p align="JUSTIFY">Niemand wusste, dass wir uns heimlich im Heu versteckt hatten, bis Etty auf einmal „Aua“ schrie. Es war eine Heugabel, die sie gespürt hatte. Was war das für ein Schrecken, als wir nacheinander aus dem Heu herauskrochen. Was hätte da alles passieren können! Gott sei Dank hatten wir wieder einmal großes Glück gehabt!</p>
<h2 lang="de-DE">Das arme Néckelchen</h2>
<p align="JUSTIFY">Meine Mutter hatte ein schreckliches Unglück in ihrer Kinderzeit erlebt. Sie hatte einen kleinen Bruder, den sie alle sehr liebten. Er war acht Jahre alt und durfte noch nicht zum Religionsunterricht gehen. Eines Tages bettelte er bei dem Nachbarn und fragte: „Wann darf ich endlich mitgehen?“ Der Nachbar erwiderte: „Du hast Glück, heute fehlt jemand bei mir in der Bank, komm mit, du darfst neben mir sitzen.“</p>
<p align="JUSTIFY">Ganz froh ging NéckeIchen mit zum Unterricht. Da er noch nicht gut lesen konnte, bekam er die Bibel zum Anschauen. Er blätterte in dem großen Buch und stieß auf die Bilder, wo Jesus gekreuzigt wurde. Kurzerhand nahm er den Griffel und rief: „Die bösen Juden, die haben den Gottespapp gekreuzigt!“ und kratzte ihnen mit dem Griffel die Augen aus.</p>
<p lang="de-DE" align="JUSTIFY">Was dann aber geschah, ist kaum zu glauben. Pfarrer Keup, von dem erzählt wurde, er habe ein Verhältnis mit der Lehrerin, bekam einen Wutanfall. Er schlug dem Kind mit dem Lineal auf den Kopf und verletzte sein Gehirn so schlimm, dass sofort eine Lähmung eintrat. Zwei gute Freunde trugen NéckeIchen nach Hause. Man kann sich vorstellen, wie alle erschraken und weinten. Meine Mutter lief schnell zu ihrem Vater, der im Schloss arbeitete. Sofort riefen sie den Arzt, aber es war zu spät. Der Doktor sagte: &#8220;Das Kind hat doch einen Vater, wie kann der das bloß zulassen?&#8221;</p>
<p align="JUSTIFY">Mein Großvater war kein Prügler und, obschon ihm danach zumute war, rächte er sich nicht. Was hätte es ihm auch genützt? Er hätte sicher Gefängnisstrafe bekommen und dann hätten sie noch ein zweites Unglück gehabt.</p>
<p align="JUSTIFY">NéckeIchen lebte noch zehn Tage mit sehr schlimmen Schmerzen, er hatte ja noch so ein junges Herz. Vor seinem Tod wurde sein Pate aus Frankreich, der Ordensmann war, durch ein Telegramm benachrichtigt. Das ganze Kloster betete. Gegen fünf Uhr morgens starb NéckeIchen.</p>
<p align="JUSTIFY">Nach einiger Zeit heiratete ein Mädchen vom Schloss. Mein Großvater musste Sessel in die Kirche bringen. Keup, wie sie ihn alle nannten, versteckte sich in der Sakristei.</p>
<p align="JUSTIFY">Mein Großvater war ein gläubiger Mensch und nahm es sehr genau mit den Vorschriften seiner Religion. Als Ostern kam, sagte er mit schwerem Herzen: „Wie soll ich das jetzt machen? Muss ich jetzt wirklich zum Mörder meines Sohnes beichten gehen?“</p>
<p>Er überwand sich aber und ging beichten. Als er im Beichtstuhl kniete, fing der Keup an zu weinen und sagte: „Sagen sie Jenn (Jean), kann ich das noch gut machen, was ich Ihnen angetan habe?“ Mein Großvater erwiderte: „Nein, nie und nimmer!“ Da erhob der Priester sich und verließ weinend den Beichtstuhl. Danach hat er nie mehr eine Beichte angehört.</p>
<p align="JUSTIFY">Unsere Familie überlegte oft, weshalb der Pfarrer sie nicht leiden konnte. Mein Großvater arbeitete erst seit zwei Wochen auf dem Schloss, er konnte wunderschöne Blumenbeete machen. Viele beneideten ihn darum. So kam auch eines Tages der Pfarrer zu ihm und bat, er möge doch auch für ihn so ein schönes Blumenbeet machen. Mein Großvater wusste, dass Herr Dervaux den Keup nicht leiden konnte. Aus dieser Ursache schob er den Auftrag auf, denn er wollte nicht unloyal gegenüber seinem Dienstherrn sein. Ob das wohl die Ursache war? Musste sein Sohn NéckeIchen darunter leiden?</p>
<p align="JUSTIFY">Meine Mutter bekam auch einmal Schläge von der Lehrerin. Die Folge war, dass sie drei Tage nicht mehr sprechen konnte. Da griff Herr Dervaux ein, und brachte die Sache aufs Gericht. Meine Mutter war damals zwölf Jahre alt. Der Richter fragte sie: „Sag mein Kind, weißt du denn, was ein Eid bedeutet?“ Sie antwortete: „Ja, Herr Richter, da darf man nicht lügen.“ So kam alles ans Tageslicht. Der Pfarrer und die Lehrerin bekamen, da sie bis dahin unbescholten waren, nur eine Geldstrafe anstatt Gefängnis. So endete die ganze furchtbare Geschichte.</p>
<h2 lang="de-DE">Der Ernst des Lebens beginnt</h2>
<p align="JUSTIFY">Es kam die Zeit, wo wir die Schule verlassen sollten. Etty durfte natürlich weiterlernen im Athenäum. Ich war sehr traurig, denn ich hatte immer gern gelernt und war auch eine gute Schülerin gewesen, nur hatte ich leider keinen Vater, der ein Gymnasium bezahlen konnte. Meine Lehrerin aus Niederanven, die mich gern hatte, wusste Rat: „Weine nicht“, sagte sie, „wir werden schon etwas für dich finden.“</p>
<p lang="de-DE" align="JUSTIFY">Und wirklich, das Wunder geschah, und ich durfte weiter in die Schule gehen. Es war die &#8220;Jeunes Economes&#8221;, die mich zu besonderen Bedingungen aufnahm: Morgens bediente ich dort das Telefon und öffnete Besuchern die Tür. Diese Arbeit machte mir Spaß, denn ich lernte viele nette Menschen kennen. Mittags durfte ich dann zum Unterricht, den ich ja selbst finanzierte.</p>
<p lang="de-DE" align="JUSTIFY">In dieser Schule war ich fünf Jahre, von 1938 bis 1943. Während dieser Zeit wurde der Kriegsdienst einberufen. Auch ich wurde zur Musterung gebeten, aber da die Mutter Oberin es gut mit mir meinte, ließ sie mich erst einmal zurückstellen.</p>
<h2 lang="de-DE">Im Arbeitsdienst</h2>
<p align="JUSTIFY">Eines Tages musste ich aber doch zum Arbeitsdienst und später zum Kriegsdienst. Ich kam dort gut zurecht, obwohl ich die einzige Luxemburgerin war. Es waren auch zwei Mädchen aus Lothringen bei uns, mit denen ich ab und zu französisch sprechen konnte, aber da galt die Maxime „lass dich nicht erwischen.“</p>
<p align="JUSTIFY">Nach sechs Wochen wurden wir in den Außendienst geschickt. Ich hatte Glück, denn die Leute auf meiner Arbeitsstelle waren keine fanatischen Hitleranhänger. Sie verstanden auch nicht, dass ich zur Arbeit gezwungen war. Ich erklärte ihnen, dass ich als registrierte Schülerin eben daran glauben musste.</p>
<p align="JUSTIFY">Es war ein großer Bauernbetrieb mit drei Pferden. Der Besitzer war Ortsbauernführer und hielt des öfteren Versammlungen im Lager ab. Deshalb bekamen sie auch eine „Arbeitsmaid“ &#8211; und die war ich – nebst zwei Gefangenen aus Polen. Sie hießen Joseph und Maria. Als sie hörten, dass ich aus Luxemburg kam, waren sie sehr lieb zu mir. Mir wurde jedoch verboten mit diesen Menschen zu reden. Wenn die Luft rein war, sprach ich dennoch mit ihnen. Ich erfuhr, dass sie eine kleine Tochter hatten und sie zeigten mir auch ein Photo von ihr. Ich hatte großes Mitleid mit ihnen.</p>
<p align="JUSTIFY">Im Lager wurde es verboten, für diese Menschen zu nähen. Meine Meisterin wusste, dass ich gut nähen konnte. Jeden Morgen stellte sie mir einen großen Korb hin mit Kleidern, die geflickt werden mussten. Ich bemerkte, dass auch eine Jacke von Joseph dabei war. Frau Steinhauer konnte es einfach nicht mit ansehen, dass die Polen in zerrissenen Kleidern herumliefen.</p>
<p align="JUSTIFY">Während Frau Steinhauer in der kleinen Gastwirtschaft ihrer Mutter weilte, kam die Führerin zur Kontrolle. Ich sah sie gerade noch im letzten Moment durch das Glasfenster der Küchentür und bekam einen Schreck, denn ich hatte gerade die Jacke von Joseph auf der Maschine um neue Manschetten dran zu nähen. Schnell riss ich das verräterische Ding heraus &#8211; fast wäre mir dabei die Nadel gebrochen &#8211; und schmiss es hinter mich in die Ecke. Dann nahm ich schnell ein anderes Kleidungsstück und nähte wild darauf los. Wie leicht hätte ich erwischt werden können, denn auf der Jacke standen groß der Buchstabe P! Dann hätte ich Bunker bekommen und wäre niemals mehr Arbeitsmaid geworden.</p>
<p align="JUSTIFY">Als die Führerin eintrat, fragte sie mich, ob alles in Ordnung wäre und ob ich auch zufrieden sei. Ich antwortete ihr mit heller und fröhlicher Stimme: „Hier sind alle sehr nett, und ich bin sehr zufrieden.“</p>
<p align="JUSTIFY">Da kam auch Frau Steinhauer herein. Sie sah mich an und hatte Mühe ihren Schreck zu verbergen. Sie wusste ja, dass ich verbotenes Zeug im Korb hatte. Die Führerin fragte: „Sind sie zufrieden mit ihrer Maid?“ „Ja, ganz und gar zufrieden!“ Sie war sehr froh, dass ich sie nicht verraten hatte.</p>
<p align="JUSTIFY">Morgens nähte ich und mittags fuhr ich mit auf die Äcker. Sie waren riesig, so groß, dass man von der Mitte aus nicht bis ans Ende sehen konnte. Im Stall brauchte ich nicht zu arbeiten. Ich brauchte auch nicht zu waschen.</p>
<p align="JUSTIFY">Sie hatten sehr viele Kirschen im Obstgarten, das erinnerte mich an Senningen. Diese Kirschen lockten mich und Maria. Wir schauten zuerst, ob die Luft rein war, und dann pflückten wir schnell und aßen so viel wir konnten. Als Frau Steinhauer auftauchte, sagte sie kein Wort. Wir waren froh und dachten, sie hätte nichts bemerkt.</p>
<p align="JUSTIFY">Auf unserem Weg kamen wir an einer sauberen Quelle vorbei. Frau Steinhauer setzte sich auf die Knie und trank nach Herzenslust. Wir verschmachteten fast vor Durst, aber wir tranken nichts. Auf einmal sagte unsere Meisterin: „Gell, ihr beide traut euch nicht zu trinken, ihr habt wohl zu viel von meinen guten Kirschen gegessen.“ Wir gaben darauf lieber keine Antwort und arbeiteten weiter auf dem Acker.</p>
<p lang="de-DE" align="JUSTIFY">Frau Steinhauer behielt uns stets im Auge. Trotz ihrer Strenge war sie freundlich und es gefiel mir dort. Ich hatte auch Glück, denn ich durfte zweimal sieben Wochen an dieser Stelle sein. Das war einmalig, und ich erfuhr erst später wie das möglich war.</p>
<p align="JUSTIFY">Als wir die Stelle wechseln sollten, sagte sie zu mir: „Ich sage Ihnen nur „auf Wiedersehen“.“ Das kam mir seltsam vor, und ich war auch ein wenig enttäuscht, denn ich dachte: „Du hast doch soviel gearbeitet, andere bekommen einen Kaffee zum Abschied, und du bekommst nichts.“</p>
<p align="JUSTIFY">Wir standen auf dem großen Platz, wo die Fahne immer hochgezogen wurde. Eine nach der anderen wurde aufgerufen. Zum Schluss stand nur noch ich ganz allein da. Ich ging zum „Führerbüro“ und fragte: „Wo schicken Sie mich denn hin?“ Da sagte die Hauptführerin, Fräulein Gatzweiler: „Sie haben Schwein gehabt, sie dürfen zu ihrer alten Stelle zurückkehren!“</p>
<p align="JUSTIFY">Sie mussten es so heimlich machen, weil andere auch gern dort geblieben wären. Jetzt hatte ich keine Angst mehr. Überglücklich landete ich wieder dort. Ich lief auf das Feld, Frau Steinhauer winkte mir schon von ferne. Sie umarmte mich: „Was dachten Sie? Ohne Abschied hätte ich Sie doch nie gehen lassen. Ist es Ihnen nicht aufgefallen, dass ich, als ich Ihnen die Hand gab, das Wort „Auf Wiedersehen“ ganz eindrücklich betont habe?“</p>
<p align="JUSTIFY">So war ich 14 Wochen auf dieser Stelle. Als ich weg ging, bedankte ich mich. Frau Steinhauer bedankte sich auch und versicherte mir, dass sie niemand anders hätte finden können, der so gut nähen konnte wie ich.</p>
<p align="JUSTIFY">Nach dem Krieg war ich noch zweimal in Wollstein auf Besuch. Sie bereiteten mir und meiner Familie einen herzlichen Empfang. Die Steinhauers kamen auch mehrmals in unser schönes Luxemburg, wo sie sich immer sehr wohl fühlten.</p>
<p align="JUSTIFY">Bei meinem letzten Besuch stand vom Lager nur mehr eine Baracke. Ich erinnere mich, dass sie uns dort immer die Post austeilten. Ich bekam fast täglich Briefe und auch öfters Pakete, aber wenn eine bestimmte Führerin vom Dienst die Post verteilte, gab es nie etwas für mich. „Das geht doch nicht mit rechten Dingen zu!“, überlegte ich. „Unterschlägt sie meine Post?“ Jedenfalls wollte ich der Sache auf den Grund gehen, und als beim nächsten Mal die Post ausgeteilt wurde und ich wieder leer ausging, blieb ich einfach stehen und wartete. Das passte der Führerin gar nicht, und sie sagte zu mir: „Gehen Sie doch, Fräulein &#8216;Peure&#8217;!“ (sie konnte meinen französischen Namen nämlich nicht gut aussprechen). Ich entgegnete: „Ich gehe erst, wenn Sie mir meine Post gegeben haben.“ Kurzerhand ging ich einfach hin und nahm mir meine Post selber. Die Führerin stand da und wusste nichts mehr zu sagen.</p>
<p align="JUSTIFY">Ich rief meine Kameraden und sie halfen mir. Sie freuten sich immer, wenn ich Pakete erhielt, denn ich teilte alles mit ihnen. Diesmal aber hatten wir keine Freude, denn als wir das Paket öffneten, war der ganze Inhalt verfault und wir mussten alles auf den Komposthaufen werfen. Alle weinten.</p>
<p lang="de-DE" align="JUSTIFY">Danach schrieb ich meiner Mutter und bat sie, mir kein Obst mehr zu schicken. In ihrem Rückschreiben erfuhr ich, dass Herr Wenandy vom Schloss das Obst extra noch grün gepflückt hatte, damit es bei der Ankunft frisch und reif sein sollte. Das machte mich noch misstrauischer. Ich untersuchte den Poststempel und hatte nun den Beweis: Das Paket hatte schon 8 Tage lang im Lager gelegen! Das war zu viel! Ich zog den Gong und meldete der Hauptführerin was passiert war. Die Führerin bekam eine gute Lektion erteilt und der Vorfall ereignete sich nicht mehr, aber nun konnte sie mich überhaupt nicht mehr leiden.</p>
<p align="JUSTIFY">Aus Rache spielte ich ihr einen Streich. lm Führerbau musste ich eines Tages die Treppe putzen. Da kam eine Spitzmaus gelaufen&#8230; das war die Gelegenheit! Sie hatte nämlich furchtbare Angst vor Mäusen. Schnell kippte ich die umgedrehte Kehrichtschaufel über die Maus. Ich nahm den Lappen und putzte weiter. Gleich darauf kam die Führerin zu mir und schimpfte: „So eine Schlamperei! Wenn Sie Sachen auf der Stiege liegen lassen, kann man sich ja ein Bein brechen!“ Dann stieg sie hinauf um das Beweisstück zu holen. Sie hob die Schaufel auf und &#8230; pardauz, sprang ihr die Maus mitten ins Gesicht!</p>
<p lang="de-DE">Wir lachten noch lange in der Bude über sie, denn niemand konnte sie leiden. Wir hatten auch ein Gedicht über sie geschrieben:</p>
<p>„<i>FVD Führerin vom Dienst,</i></p>
<p lang="de-DE"><i>du bist der Schrecken aller Buden.</i></p>
<p lang="de-DE"><i>Wenn ich dich kommen seh&#8217;,</i></p>
<p><i>rutscht mir das Herz in meinen Hosenboden&#8230;“</i></p>
<div id="attachment_6" style="width: 247px" class="wp-caption alignnone"><a href="http://memories.lu/wp-content/uploads/Bertha-Arbeitsdienst.jpg"><img class="size-medium wp-image-6" src="http://memories.lu/wp-content/uploads/Bertha-Arbeitsdienst-237x300.jpg" alt="Bertha Poiré in ihrer Arbeitsdienstuniform" width="237" height="300" /></a><p class="wp-caption-text">Bertha Poiré in ihrer Arbeitsdienstuniform</p></div>
<p>&nbsp;</p>
<h2 lang="de-DE">Im Kriegsdienst</h2>
<p align="JUSTIFY">Vom Reichsarbeitsdienst kam ich nach Metz in eine Rüstungsfabrik, wo 3000 Menschen arbeiteten. Es waren die HOBUSWERKE, ein Riesenbetrieb, in dem auch viele Frauen beschäftigt waren. Wir arbeiteten in einer Halle, wo Schrauben für Flugzeuge hergestellt wurden. Russische Frauen bedienten die Maschinen und wir kontrollierten das Material. Wir bekamen dazu allerhand Maßstäbe, die wir genau einzuhalten hatten: „Scharfe Riefen, zu dick, zu dünn, zu glatt, zu lang.“</p>
<p align="JUSTIFY">Alles was wir kontrollierten, mussten wir mit unserem Namen unterzeichnen. Man verlangte höchste Genauigkeit von uns. Oh weh, hätten wir Schrott fabriziert, hätte man uns als Saboteure gegen die Wand gestellt, vor allem mich als Luxemburgerin.</p>
<p align="JUSTIFY">In der Zwischenzeit hatten wir uns gut eingelebt. Wir wohnten nicht mehr wie früher in einer Holzbaracke, sondern in einem Steinbau. Eines Tages kam der Vorarbeiter und schritt durch die Reihen der Kriegsdienstler, 110 an der Zahl. Offenbar fragte er etwas und ich sah, dass sie alle nacheinander verneinend den Kopf schüttelten. Als er die letzte Reihe erreicht hatte, hörte auch ich was er wollte: „Wer von euch hat schon gebügelt?“</p>
<p align="JUSTIFY">„So eine Chance bekommst du kein zweites Mal!“, sagte ich mir und so meldete ich mich sofort. Ich hatte in der Haushaltsschule vorzüglich Nähen und Bügeln gelernt und konnte mir das ruhig zutrauen.</p>
<p align="JUSTIFY">Der Vorarbeiter war sichtlich froh, dass er jemanden gefunden hatte, ich war es jedoch nicht minder, denn nun war ich endlich diese Stelle, in der soviel Lärm herrschte, los. Leid tat mir nur, dass ich das liebe Mädchen aus Lothringen verlassen musste. Mit ihr hatte ich ein Jahr lang zusammen Schrauben kontrolliert und wir waren dicke Freundinnen geworden.</p>
<p align="JUSTIFY">An meiner neuen Stelle wurde ich von einer Frau namens Ehlich freundlich empfangen. Eines der Mädchen, die hier im Dienst waren, hieß Jeanne Berger und kam aus Metz. Als sie hörte, dass ich Luxemburgerin sei, war sie sehr glücklich. Eine andere, Irmel genannt, kannte ich schon, denn sie war mit mir zusammen im Schlafzimmer. Sie war bekannt als ein richtiger „Hitler“.</p>
<p align="JUSTIFY">Es war hauptsächlich Flickarbeit, die wir hier verrichteten: die Schürzen der Vorarbeiter aus der Fabrik mussten ausgebessert werden und jede Menge Betttücher. Immer, wenn wir samstags genug abgeliefert hatten, durften Irmel und ich am Sonntag nach Hause fahren. Wir fuhren dann immer zusammen, denn Irmels Reise ging über Luxemburg. Von Irmel waren wir bald enttäuscht. Obwohl das Mädchen aus einer Winzerfamilie an der Mosel kam, hat sie uns nie eine Flasche Wein mitgebracht. Deshalb teilte ich auch nie mit ihr, wenn ich ein Paket bekam, und das geschah ziemlich oft. Jeanne und ich gingen dann zur Terrasse, wo wir mit bestem Appetit die Leckerbissen von daheim verspeisten. Irmel durfte indes zur Kantine gehen, wo es immer Pellkartoffeln, rohen Kohl und Wasserpudding gab. Sie meckerte auch immer, wenn wir französisch sprachen und drohte, uns bei der Führerin anzuzeigen. Aber die war uns gut gesinnt, denn sie kam aus Tirol, und es wohnte noch ein Mädchen aus Innsbruck bei uns im Zimmer. So kam die Führerin des öfteren zu uns und lehrte uns auch das Jodeln. Ich lernte es sehr schnell.</p>
<p align="JUSTIFY">Eines Tages, Jeanne und ich saßen gerade auf der Terrasse, kam ein offener Wagen mit Soldaten. Einige hatten Gewehre in Bereitschaft, offenbar ein Gefangenentransport. Auf einmal schrie Jeanne: „Mais c&#8217;est mon frère!“, und lief laut weinend ins Bügelzimmer. Ich hatte alles mitbekommen und lief zu ihr: „Was hast du da eben gesagt?“ „Nichts!“, antwortete sie, denn sie wusste damals noch nicht ob sie mir trauen könnte. Ich sagte nur: „Jeanne, ich habe alles verstanden, du hast eben deinen Bruder gesehen.“ Sie nickte nur und dann weinten wir zusammen.</p>
<p align="JUSTIFY">„Kannst du mir keine Zigaretten besorgen?“ fragte sie mich. Ich antwortete: „Doch, das geht in Ordnung.“ Meine Mutter arbeitete nämlich in einer Gaststätte, und dort bekam sie so viele Zigaretten wie sie wollte. Jeanne freute sich sehr! Als das Paket ankam, gingen wir zusammen ins Gefangenenlager. Wir hatten auch Brot. Dem Wachsoldaten schenkten wir immer ein Paket Zigaretten, daher konnte er uns gut leiden, und Jeanne durfte ihren Bruder besuchen, so oft sie wollte. Ich wartete dann immer draußen und dachte an meinen eigenen Bruder.</p>
<h2 lang="de-DE">Kriegsschicksal</h2>
<p lang="de-DE" align="JUSTIFY">Wo er wohl sein mochte? Er war, wie so viele junge Luxemburger, zwangsrekrutiert worden und kämpfte in Russland, zuletzt an der Krim. Wo sich sein Bataillon gerade aufhielt, war immer streng geheim. Es war ihm daher verboten, uns seinen Standort mitzuteilen. Er erfand aber einen Trick und schrieb in seinen Briefen verschiedene Buchstaben groß. Wenn meine Mutter sie dann zusammensetzte, ergab es den Namen der Ortschaft oder der Gegend, wo er gerade stationiert war.</p>
<p align="JUSTIFY">Mein Bruder war bei den Funkern. Einmal hielt er zusammen mit einem Deutschen Wache, da knallte es plötzlich und der deutsche Kamerad neben ihm brach zusammen. Eine Kugel hatte ihn direkt in den Kopf getroffen. Mein Bruder kam mit dem Leben davon, erlitt aber einen schweren Schock, von dem er sich nur langsam erholte. Seine Beine waren voller Granatsplitter. Gott sei Dank konnte er noch schnell ins Lazarett funken, um den Unfall zu melden. Unmittelbar darauf erkrankte er an Gelbsucht &#8211; Folge seines schweren Schocks. Die Splitter im Bein wurde er sein ganzes Leben nicht mehr los und sie machten ihm große Beschwerden. Er war deshalb oft in der Klinik, aber kein Arzt konnte ihm helfen, denn sie wanderten ständig hin und her.</p>
<p align="JUSTIFY">Als mein Bruder in Genesungsurlaub kam, durfte ich auch nach Hause. Es dachte noch niemand daran, dass er nicht mehr in den Krieg zurückkehren würde. Er wusste, wenn er desertierte, würde es meiner Mutter und mir schlecht ergehen. Deshalb sagte er zuerst auch zu unserer Mutter: „Ich kehre zur Truppe zurück, sonst wirst du mit Bertha umgesiedelt.“ Doch wir bestanden darauf: „Geh auf keinen Fall mehr zurück! François meint es doch gut mit uns, der wird dich sicher verstecken.“</p>
<p lang="de-DE" align="JUSTIFY">Und so geschah es, François vom Schloss versteckte ihn. Mein Bruder verschaffte sich einen falschen Pass mit dem Namen Müller, ließ sich einen Bart wachsen und trug dazu eine einfache Brille. Ich erinnere mich noch, wie er vor der Tür stand und weinte. Ich sehe ihn noch vor mir, wie er fortging. Wir schauten ihm so lange nach, bis wir ihn nicht mehr sehen konnten. Seine Uniform und seine Flinte ließ er zu Hause, und mit gutem Grund. Es war sehr hilfreich für meine Mutter, denn ihr Bruder war Förster und begegnete fast jeden Tag den Nazis in ihrer gelben Uniform. So meldete er gleich, mein Bruder sei plötzlich verschwunden, die Flinte und die Uniform lagen zwar zu Hause, aber keiner wisse, wo er sei.</p>
<p align="JUSTIFY">So einfach ließen sich die Nazis aber nicht abspeisen, vor allem, da jemand, der es mit den Deutschen hielt, behauptete, er sei im Haus versteckt. Ein Kesseltreiben setzte ein, das sechs Wochen lang dauerte. Jeden Morgen um punkt 6 Uhr klopfte es an der Haustür. „Ihr Sohn ist im Haus!“ hieß es. Man kann sich vorstellen, wie es meiner Mutter zumute war. Das ganze Haus wurde immer wieder durchsucht und einer stieg dem andern auf die Schulter, um auch auf den Speicher zu kommen. Aber alle Mühe war umsonst.</p>
<p align="JUSTIFY">Jemand hatte meiner Mutter den Rat gegeben, immer dasselbe zu antworten. Sie hat sich daran gehalten und behauptete immer wieder, sie wisse von nichts, nein wirklich, von gar nichts. Nur das eine habe ihr der Sohn gesagt: er wolle zu einem Mädchen nach Luxemburg gehen. Seither habe sie nichts mehr von ihm gehört oder gesehen. Und dabei blieb sie.</p>
<p align="JUSTIFY">In den neun Monaten, während denen mein Bruder untergetaucht war, wechselte er zwölfmal das Versteck. Stets war die Gestapo hinter ihm her und man kann sich vorstellen, was er und François mitgemacht haben. Er hatte ein Funkgerät. Wenn er es nicht mehr aushielt, konnte François ihn überall erreichen, selbst im Ösling.</p>
<p align="JUSTIFY">Ich hatte eine schöne geweihte Glocke von einer Frau, die in Lourdes geheilt wurde, bekommen. Die schenkte ich meinem Bruder und er trug sie immer bei sich, genauso wie den Rosenkranz, den meine Mutter ihm zum Abschied gegeben hatte. Gott sei Dank kam er wieder nach Hause, wenn auch mit geflickten Hosen. Aber den Rosenkranz und die Glocke brachte er unversehrt wieder.</p>
<h2 lang="de-DE">Heimkehr und schwere Krankheit</h2>
<p align="JUSTIFY">Als mein Bruder kam, waren die Amerikaner schon da. Er arbeitete als Frisör und hatte viele Kunden unter ihnen. In unserer großen Stube saßen wir alle beisammen. Es war immer sehr gemütlich und sie haben auch Weihnachten mit uns gefeiert.</p>
<p align="JUSTIFY">Während dieser Zeit war ich schwer krank und lag drei Wochen in Metz in der Krankenstube. Ich hatte Diphterie und wollte aber unbedingt heim. So schüttelte ich das Thermometer heimlich herunter. In Metz nahm ich um 5 Uhr morgens den Zug, die Kleider schickte ich mit der Post heim. Als ich ankam, war ich todkrank. In der Nacht kamen zwei Ärzte, denn ich hatte eine schwere Mittelohrentzündung und solche Schmerzen, dass ich das „Diwwi“ durchbiss. Der Knochen war bereits angegriffen. Ich musste zu einem Spezialisten nach Luxemburg, es fuhr aber so früh noch kein Zug. Also fragte meine Mutter einen Bauern, der seine Milchkannen in Luxemburg absetzte, ob er mich mit zum Arzt nehmen könne. So saß ich oben auf den Milchkannen, das war kein besonders bequemes Taxi, vor allem weil es regnete! Der Arzt musste das Ohr 14-mal ausspülen. Es ist dennoch gut geheilt und ich höre noch heute sehr gut.</p>
<h3 lang="de-DE"><span style="color: #000000;">Strafe und Vergeltung</span></h3>
<p align="JUSTIFY">Als wir nach dem Krieg wieder zu Hause waren, hatte sich das Blatt gewendet! Mein Bruder war bei der Miliz und ich erlebte, wie sie die Deutschgesinnten ausfindig machten und bestraften. Vor unserm Haus stand eine ganze Reihe. Sie bekamen alle Gefängnis. Einer wurde gezwungen, seine Uniform anzuziehen, ein anderer hatte das Hitlerbild auf dem Rücken, wieder einem anderen gaben sie eine rostige Säge, da bekannt war, dass er faul war und nicht gerne arbeitete. Sie sagten: „Im Gefängnis wirst du Zeit haben, um die Säge wieder scharf zu machen.“ Alle wurden gezwungen barfuss nach Niederanven zu gehen und unterwegs mussten sie singen „Deutschland unter alles“&#8230;</p>
<p lang="de-DE" align="JUSTIFY">So hatte auch ich den Text immer gesungen, wenn ich hinter der deutschen Fahne hermarschieren musste. Nur gut, dass niemand es damals mitbekam.</p>
<h2 lang="de-DE">Neue Berufswege</h2>
<p align="JUSTIFY">Als ich wieder gesund war, machte ich meinen Plan wahr und ging privat arbeiten. Zu meinen wichtigsten Kunden zählten damals Herr Reckinger, Direktor der Bank „EIsass Lothringen“, das Café Beggen und der Direktor der „CECA“.</p>
<p align="JUSTIFY">Eines Tages aber kam mein Vetter mit einer Neuigkeit zu mir: „Louis Hemmer (das war der erste Pilot in Luxemburg!) macht eine Wäscherei auf, ich habe dich empfohlen.“ So stellte ich mich vor und wurde gleich angenommen. Gleichzeitig mit der Wäscherei entstand auch der erste „Wäsche-Selfservice“, der über zehn Waschmaschinen, amerikanisches Modell, verfügte. So kam es, dass ich eines Tages einen Test bei den Amerikanern machen musste, den ich natürlich sehr gut bestand.</p>
<p align="JUSTIFY">Die Geschäfte gingen bestens. Ein Teil der Leute ließ ihre Wäsche bei uns waschen und bügeln, ein anderer wieder kam in die „Selfservice-Wäscherei“ um die Wäsche selber zu machen. Wenn es schön war, warteten die Kunden draußen im Garten, bis die Maschine fertig war. Auch feine Damen waren dabei, die ihre Zierschürzen brachten. Ich sah, wie sie sie aus der Wringmaschine nahmen und damit nach Hause gingen. Manche ließen sie gleich bei uns bügeln.</p>
<p align="JUSTIFY">Neben der Arbeit in der Wäscherei fuhr ich mit meinem Chef auf den „Tour“. Das bedeutete die Wäsche bei den Kunden abholen und abliefern, ein sehr wertvoller Service in einer Zeit, wo Autos noch ein Luxus waren. Die Arbeit wuchs und bald konnte ich nicht mehr beim Tour mitfahren. Das bedauerte ich, denn bei dieser Gelegenheit war immer viel Trinkgeld herausgesprungen. Auch mein Chef hatte keine Zeit mehr für den Tour, da er sich noch als Pilot und Fluglehrer betätigte. So musste der Betrieb einen Chauffeur einstellen. Außerdem arbeiteten dort ein Heizer und zwei Mädchen, die die Tisch- und Leintücher mit der Mangel plätteten. Nach einiger Zeit wurde noch eine verheiratete Frau eingestellt, die keine berufliche Erfahrung hatte, und ich sollte sie anweisen. Wir wurden zu einem Test nach unten ins Büro gebeten und Frau Hemmer beobachtete uns. Ich gab ihr Anweisungen, aber als das Hemd fertig war, passte es nicht in die Tüte. Mein Meister kam zufällig ins Zimmer, sah das verpfuschte Hemd und schimpfte: „EIsi, schau dir das einmal an, so ein Hemd hatte ich noch nie in meinem Schrank!“ Die Frau musste noch drei weitere Hemden bügeln, bis es einigermaßen klappte. Als wir die Prozedur hinter uns hatten, waren wir beide sehr erleichtert.</p>
<p align="JUSTIFY">Der Betrieb verbesserte sich zusehends. Wir bekamen eine neue Presse mit &#8220;Plateau&#8221;. An dieser Einrichtung war eine Uhr mit einer Messskala angebracht, die anzeigte, wenn die Hitze zu stark wurde. Wenn man nicht aufpasste und der Zähler über 10 stieg, wurden die Hemden gelb. Gott sei Dank habe ich nie etwas verbrannt, darüber war ich immer sehr froh. Dank der neuen Methode war es uns möglich, 14 Hemden in der Stunde zu bügeln. Die Presse musste mit dem Fuß betätigt werden, indem man eine schwere Platte nach unten drückte. Das war schon eine gewaltige Verbesserung, aber noch immer sehr anstrengend.</p>
<h2 lang="de-DE">Eine neue Familie</h2>
<p align="JUSTIFY">Mit 28 Jahren lernte ich einen Mann kennen und wir heirateten bald. Es war eine wunderschöne Hochzeit, ein Fest das zwei Tage lang dauerte. Da mein Vater tot war, führte mein Pate Charles Poiré mich in die Kirche. Es sind schöne Erinnerungen, die ich niemals missen möchte.</p>
<p lang="de-DE" align="JUSTIFY">Vorübergehend wohnten wir in Senningen im Haus meiner Mutter. Nach einem Jahr, als unser Sohn Romain geboren wurde, zogen wir um nach Moesdorf bei Mersch.</p>
<p align="JUSTIFY">Mein Mann arbeitete in Dommeldingen auf der Schmelz, in der Kupfergießerei. Wir hatten ein schönes Einkommen. Nach der Primärschule musste unser Sohn Romain in die „Boulette“ nach Luxemburg, weil damals noch kein Bus von Moesdorf nach Mersch fuhr. Er studierte 4 Jahre am Athenäum. Dann machte er die Meisterprüfung im „Luxemburger Wort“ und bekam den ersten Preis.</p>
<h2 lang="de-DE">Arzt und Freund</h2>
<p>Wie menschlich und gewissenhaft mein früherer Arbeitgeber, Dr. Worré, uns behandelt hat, will ich hier noch beschreiben.</p>
<p>Im Dorf wurde ein Kanal gegraben. Meine Mutter stand auf der Treppe, verlor das Gleichgewicht und stürzte in den Schacht. Als ich die Nachricht bekam, fuhr ich gleich mit dem Taxi zu ihr. Ach Gott, was mich da erwartete, war nicht schön. Die Nachbarn und meine Tante hatten sie aufgehoben und ins Bett gelegt. Alle waren nun um ihr Bett versammelt.</p>
<p lang="de-DE" align="JUSTIFY">Das war sicher gut gemeint, aber sehr gefährlich, denn eine so schwer Verletzte sollte man überhaupt nicht bewegen. Ich rief gleich Dr. Worré, der sofort mit der Ambulanz kam. Meine Mutter erkannte niemanden mehr und jammerte nur noch vor Schmerzen.</p>
<p align="JUSTIFY">In der Klinik wurde sie geröntgt. Später vertraute der Arzt mir an, dass sie eine schwere Genickverletzung hatte und ihr Leben nur noch an einem Faden hing. Jeden Tag fuhr ich zu ihr, aber erst nach einer Woche erkannte sie mich wieder. Dr. Worré machte jeden Tag eine Visite. Nach neun Wochen war sie wieder soweit hergestellt, dass ich sie mit nach Hause nehmen konnte. Der Arzt sagte zu mir: „Du hast noch eine Mutter vom alten Schlag.“ Als ich nach der Rechnung fragte, antwortete er: „Schau her, hier ist die Rechnung.“ Und dann zerriss er das Blatt und warf es in den Abfalleimer. Wir haben Dr. Worré vieles zu verdanken.</p>
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