Eine tolle Zeit

Jedes Jahr am 8. März wird in ganz Europa und in den USA der Internationale Frauentag gefeiert mit Demonstrationen und wiederholten Forderungen in Bezug auf die Rechte der Frau, an denen es immer noch hapert. Erstmals am 19. März 1911 im Kampf um die Gleichberechtigung und das Wahlrecht für Frauen eingeführt, ist er nicht mehr aus unserer Gesellschaft wegzudenken.

Wir, die Generation der 60er und 70er Jahre haben dies so oft schon miterlebt. Es waren die Jahre unserer Zeit als Jugendliche und junge Mütter. Wir sind die Riege der Frauen welche wohl den größten Umbruch in punkto Befreiung der Frau erlebt haben.  Das Ziel war die Ablehnung von alten Konventionen. Dem Mief der Nachkriegszeit wurde der Kampf angesagt mitsamt seinem gutbürgerlichen Hintergrund mit seiner oft verlogenen Moral unter der Diktatur der katholischen Kirche.

Wir wollten nicht mehr so leben wie unsere Mütter in ständiger Angst vor einer ungewollten Schwangerschaft. Die Erfindung der Antibabypille, welche 1961 auf den Markt kam, war wohl die größte Revolution aller Zeiten für die Frauen.

In Deutschland sorgte Oswald Kolle 1967 mit seinen Aufklärungsfilmen wie „Das Wunder der Liebe“ und „Deine Frau, das unbekannte Wesen“ für Furore. Das waren die Wegbereiter der sexuellen Revolutionswelle, die auch in Luxemburg Einzug hielt.

Die späten 60er  brachten uns aus den USA die Flower Power Zeit, Hippiewelle schrill und bunt, freie Liebe und Ausgelassenheit. Das  Musical „Hair“, Ausdruck dieser Lebensphilosophie,  wurde ein Welterfolg.  Zu dieser Ära gehörten auch Jimi Hendrix und die Beatles welche ihr erstes offizielles Album im Jahre 1963 präsentierten.

In Luxemburg traten Künstler auf die Bühne die zu Weltstars wurden:

1961 gewann Jean Claude Pascal den 1. Preis beim „Grand Prix Eurovision de la Chanson“ mit „Nous les amoureux“. 1965 war es  France Gall mit „Poupée de cire, poupée de son“. Darauf folgte 1966 Udo Jürgens mit „Merci chérie“.

In den Kinos hatten die amerikanischen Filme Hochkonjunktur. 1961 „Frühstück bei Tiffany’s“ mit Audrey Hepburn, Roman Polanski’s „Rosemary’s Baby“, 1962 sorgte der Skandalfilm „Lolita“ von Stanley Kubrik für Aufsehen. 1968 der Revuefilm „Funny Girl“ mit Barbra Streisand. Das Musical „West Side Story“ war die Sensation sowohl in Amerika als auch in Europa. Es war auch die Zeit der Weltstars wie Sophia Loren, Gina Lollobrigida, Elisabeth Taylor und Romy Schneider. Frankreich bescherte uns Brigitte Bardot, das Idol einer ganzen Mädchengeneration.

Wir träumten davon einmal nach Saint-Tropez zu reisen und trugen Kleider mit Vichy Karos und spitzenbesetzte Bikins. Keinen einzigen ihrer Filme haben wir verpasst.

Saint-Tropez war aber nicht nur B.B., sondern ein Gendarm sorgte dort für Ordnung und das war kein Geringerer als Louis de Funès. Seine Gendarme-Serie war bald in aller Munde. Mit seiner charmant- witzigen und etwas hektischen Art wurde er zum Publikumsliebling Nr1 und das weit über Frankreichs Grenze hinaus. Die Serie wurde zum Klassiker des französischen Films.

Deutschland bescherte uns die Gesangsstars wie Peter Alexander und Caterina Valente und die beliebten Revue-Filme.

Mittlerweile hatten die meisten Menschen zuhause einen Fernsehapparat und wohnten 1963 der ersten Sendung des „Sportspiegel“ bei.

Im Showbusiness begeisterten Peter Frankenfeld, Harald Juhnke und Rudi Carrell ebenso wie der unvergessliche Hans Joachim Kuhlenkampff mir seiner Sendung „Einer wird gewinnen“ kurz EWG genannt.

Aus Frankreich stammten die ganz Großen des Chansons: Dalida, Melina Mercouri, Gilbert Bécaud mit „Nathalie“, Charles Aznavour,  Mireille Mathieu, Michel Sardou, Enrico Macias und Serge Lama und natürlich Rocker Johnny Hallyday, damals im Doppelpack mit Sylvie Vartan.  Sogar eine Nonne, Soeur Sourire,  stürmte mit Gitarre und christlichen  Balladen die Hitparaden.  Nicht zu vergessen der Provokateur Serge Gainsbourg und Claude François (Cloclo), der Liebling der Damenwelt.  Aus Belgien kamen Salvatore Adamo und Jacques Brel.

Italien überraschte mit „Volare“ und „Ciao Ciao Bambina“, aus den 50ern, aber wurden auch 10 Jahre danach immer noch gern gehört und sind bis heute unsterbliche Songs geblieben. Die rauchige Stimme war das Markenzeichen von Sänger und Schauspieler Adriano Celentano,  der mit „Azzurro“ einen solchen Volltreffer landete, dass das Lied inoffiziell für die Italiener zur zweiten Nationalhymne wurde.

Sie alle haben unsere Jugendjahre mit ihrer unvergesslichen Musik bereichert.

Der wohl tragischste Abschnitt in unserer westeuropäischen Geschichte war der Bau der Berliner Mauer. In der Nacht vom 12. auf den 13. August 1961 wurde Berlin zur geteilten Stadt.

Am frühen Morgen berichteten ausnahmslos alle Radiosender darüber. Vor den Fernsehapparaten verfolgten wir fassungslos das Geschehen, sahen die Verzweiflung und das Entsetzen in den Gesichtern der Berliner, die sich ohne Vorwarnung von ihren Familienangehörigen und Freunden auf unabsehbare Zeit getrennt sahen. Es war gespenstisch, fast irreal. Der Satz von Präsident Kennedy in seiner Rede anlässlich seines Berlinbesuches am 26. Juni 1963 „Ich bin ein Berliner“, traf in jenem Augenblick auf uns alle zu. Wir fühlten und litten mit den Menschen und waren auch Berliner.

Trotzdem  ging das Leben weiter und uns wurde immer bewusster, dass unser Nachbarland seit einiger Zeit nicht mehr nur Deutschland hieß, sondern aus Bundesrepublik und DDR bestand.

Ein wichtiges, positives Ereignis ging ebenfalls in die Geschichtsbücher ein: 1963 unterzeichneten Konrad Adenauer und Charles de Gaulle den deutsch-französischen Freundschaftsvertrag und die endgültige Versöhnung beider Länder nach 3 großen Kriegen.

Damals waren in Europa Attentate so gut wie unbekannt. Doch dann sollte ein Attentat die Welt erschüttern: die Ermordung von Präsident John F. Kennedy am 22. November 1963. Obwohl wir alle entsetzt und betroffen waren, so war doch Dallas weit von uns entfernt. In der Presse erschienen ergreifende Bilder wie das des kleinen John, der wie ein Mann vor dem Sarg seines Vaters salutierte. Neben ihren Kindern, die stolze und tapfere Jackie Kennedy. Als Präsidentengattin hatte sie immer die Aufmerksamkeit des Publikums wegen ihres Charmes und ihrer Eleganz. Ihre Auftritte im edlen Kostüm mit dem passenden Pillbox-Hütchen waren legendär.

Später machte sie durch ihre Heirat mit dem Ölmagnaten Aristoteles Onassis Furore und schockierte viele Amerikaner. Aus Jackie Kennedy war Jackie Onassis, kurz Jackie O. geworden.

Unterdessen tobte immer noch der Vietnamkrieg. Die Amerikaner hatten längst an Glaubwürdigkeit verloren und Kennedys Nachfolger Lyndon B. Johnson geriet zunehmend unter Druck. Amerikas Studenten und Stars wie Jane Fonda demonstrierten für ein Ende des 11 Jahre andauernden Wahnsinns.

1963 lieferte Großbritannien einen spannenden Politskandal. Es ging um den Kriegsminister John Profumo und sein Verhältnis mit dem Model und Callgirl Christine Keeler. Anfangs schien es sich um eine pikante Sexaffäre zu handeln, doch als bekannt wurde, dass die besagte Dame gleichzeitig eine Beziehung zu einem sowjetischen Marineattaché und GRU Agent (militärischer Geheimdienst) unterhielt, artete es in eine handfeste Spionageaffäre aus. Sie brachte den Minister um seinen hohen Posten und die Keeler hinter Gitter wegen Falschaussage und Behinderung der Justiz. Anschließend zog die „Profumo Affäre“ den Sturz der Regierung Macmillan nach sich. Sogar „Der Spiegel“ informierte seine Leser mit einem detailgenauen Bericht.

Ein Mann, der ebenfalls die Geschichte der 60er Jahre geprägt hat, war der Nachfolger  von Pius XII im Vatikan.  Im Alter von 77 Jahren wurde Angelo Roncalli zum Papst gewählt und nahm den Namen Johannes XXIII an. Obwohl sein Stil unkonventionell war, sprach alles dafür, dass der neue Papst eine traditionelle Richtung einnehmen würde. Niemand ahnte, dass er eine Entscheidung erwog die gleichsam ein Erdbeben in der Kirche auslösen sollte: die Einberufung des II. Vatikanischen Konzils. Die Weltöffentlichkeit reagierte mit optimistischen Schlagzeilen. Roncalli wollte eine geistige Verjüngungskur für die gesamte Kirche. Dies sogar gegen den Widerstand verschiedener Kardinäle.  Hinter seiner gutmütigen, etwas behäbigen Art  verbarg sich ein eiserner Wille.

Seine Amtszeit fiel in die Ära des Kalten Krieges. Als sich die Lage im Oktober 1962 mit der Kubakrise zuspitzte und die Welt an den Rand eines Atomkrieges brachte, erwies er sich als mutiger und geschickter Diplomat. Mit seiner eindringlichen Botschaft an John F. Kennedy und an Nikita Chruschtschow war er nicht unbeteiligt an der Beilegung dieses Konfliktes.  Johannes XIII ließ am 24. Oktober 1962 in der amerikanischen sowohl als auch in der sowjetischen Botschaft einen Friedensappel überreichen und machte diesen in einer Ansprache bei Radio Vatikan öffentlich.

Von den Amerikanern wurde er liebevoll „Johnnie Walker“ genannt, dies auf Grund seiner häufigen Besuche in den Kirchen, Krankenhäusern und Gefängnissen von Rom.

Am 7. März 1963 empfing der damals schon schwerkranke  Papst wenige Monate vor seinem Tod die Tochter von Nikita Chruschtschow und deren Ehemann im Vatikan. Dies war ein bis dahin undenkbares, spektakuläres Ereignis: Das Oberhaupt der katholischen Kirche empfing 2 Abgeordnete des Kreml, 2 Welten die nicht unterschiedlicher hätten sein können. Es bestand sogar ein Austausch von Jahreswechsel-Telegrammen mit dem Kreml.

Ein Ereignis von großer Tragweite für die ganze Menschheit war die 1. Mondlandung der Apollo 11 mit Neil Armstrong im Jahr 1969, die jeder von uns live am Fernsehschirm miterlebte.

In Paris hatte sich der Existentialismus eine Bühne geschaffen. Wir lasen Jean-Paul Sartre, Albert Camus und schwärmten von Saint Germain-des-Prés. Die dazugehörigen Chansons der mysteriösen Juliette Greco sorgten für die passende Atmosphäre.

In der Schule versuchte unsere literaturbegeisterte Professorin uns die Schriften von Siegfried Lenz und Heinrich Böll näherzubringen, doch das schien uns alles zu steif und altmodisch. Wir bevorzugten Françoise Sagan.

In den Jahren 1963/64 kam für die meisten von uns der Eintritt ins Berufsleben. Für jene, die einen soliden Schulabschluss vorweisen konnten, war es kein Problem eine Stelle zu finden. Frauenspezifische Berufe wie Verkäuferin, Friseuse, Krankenpflegerin, Kindergärtnerin oder Sekretärin standen hoch im Kurs. Es gab so gut wie keine Arbeitslosigkeit. Auch ohne Abschluss war es möglich, in einem Betrieb eingestellt zu werden. Kreativität und Innovation waren für viele ein Vorteil.

In den 70er Jahren waren die meisten von uns verheiratet und junge Mütter geworden. Heirat und Berufstätigkeit war noch nicht für alle selbstverständlich. Die meisten hatten ihren Beruf an den Nagel gehängt und sich für ein Leben als Hausfrau und Mutter entschieden. Ein Beruf der bis heute keiner ist und als solcher nie anerkannt wurde. So waren diese Jahre geprägt von Haushalt und der Erziehung unserer Kinder. Unser Leben verlief in geordneten Bahnen.

Wir waren stolz und dankbar ein preisgünstiges Appartement  mit Gemeinschaftsgarten unser eigen zu nennen. Der Garten war ein Tummelplatz für die Kinder und eignete sich bestens für die Kindergeburtstage. Wir besaßen kein Auto, sondern gingen zu Fuß zum Supermarkt um die Ecke. In unserem Wohnviertel gab es auch noch einen Bäcker, einen Metzger, einen Friseurladen, einen Zeitungskiosk nebst Buchladen und Geschenkabteilung. Das war das Paradies für die Kinder. Die Jungs fühlten sich magisch angezogen von  der Auswahl der Matchboxautos, was manchmal zu regelrechten Kämpfen führte. Sie mussten lernen, dass man nicht alles haben kann. Später war die Freude umso grösser wenn es solch ein Exemplar zum Geburtstag gab.  Die Kleinen bekamen den Bussi Bär mit vielen Geschichten und Bastelanleitungen. Das absolute Highlight als Geschenk für die Größeren war ein BMX Fahrrad.  Es herrschte ein gutes nachbarschaftliches Verhältnis und wir holten abwechselnd unsere Kinder von der Schule ab. Die Nachmittage gehörten den Hausaufgaben, dem Gang zum Spielplatz, Spaziergängen im Wald zusammen mit anderen Müttern und gemeinsamen Gartenfesten mit unserem Nachwuchs.

Die Jahre der Emanzipation waren nicht vergessen und Alice Schwarzer, Feministin und Gallionsfigur der Frauenbefreiung riss Millionen von Frauen mit. Sie setzte sich für Straffreiheit von Abtreibung ein und ihr Buch „Der kleine Unterschied und seine großen Folgen“ wurde in 12 Sprachen übersetzt. 1971 erschien die erste Ausgabe ihrer Zeitschrift „Emma“ die keine von uns verpasste und jede neue Folge mit Begeisterung verschlang.

In der „Eltern“ informierten wir uns über den neuesten Stand in punkto Kindererziehung und holten uns Rat in den Artikeln von Dr. Gisela Schmeer und Sabine Schwabenthan. Zur Entspannung gab‘s dann die „Brigitte“. Es bot sich damals das heiß umstrittene Thema „antiautoritäre Erziehung“ an. Doch sie hat sich nicht bewährt und geriet in Vergessenheit. Für unsere Kinder gab es im Fernsehen das Sandmännchen, Biene Maja, Meister Eder und sein Pumuckl und Heidi. Verrückt waren wir alle nach der Sesamstraße mit den berühmten Handpuppen Kermit, Ernie, Bert, Oscar, Krümelmonster usw.

Die Mode brachte die Miniröcke, die beliebten Schlaghosen und Schuhe mit Plateau Absatz. Unsere Söhne trugen lange Haare und die gleichen Hosen wie ihre Mütter. Die Disco Zeit war angebrochen. Fetzige Musik, flackernde Scheinwerfer und die schönste Krankheit jener Zeit: das Saturday Night Fever. Jeder wollte tanzen wie John Travolta und Olivia Newton John. Die Bee Gees schlossen sich der gleichen Welle an und bezauberten mit „How deep is your love“ und „Stayin‘ Alive“.

Wir hörten Boney M. mit „Rivers of Babylon“. ZZ Top begeisterte sowohl die Schüler als auch deren Mütter. Das gleiche galt für Genesis mit dem unverwüstlichen Phil Collins. 1972 dann der Beginn einer Weltkarriere: Abba, die schwedische Popgruppe, die erfolgreichste Band aller Zeiten. 1979 kam in Großbritannien das Album der Gruppe  Pink Floyd mit dem unvergesslichen  „The Wall“ heraus. Das Thema war die Isolation und die potentiellen Barrieren zwischen den Menschen. Einer der besten Songs zum Abschluss der 70er. All das durften wir miterleben.

Im Kino sahen wir im Jahre 1977 die erste Folge von „Star Wars“. Das Heldenepos aus fernen Galaxien stellte alle Filme in den Schatten.  Zusammen mit James Bond sind es die beiden Kultfilme, die es mit immer neuen Folgen bis ins 21. Jahrhundert geschafft haben.

Wir besaßen keine Luxusvilla, keinen SUV und keine Designerklamotten. Es gab kein Internet, auch kein Smartphone, wir kommunizierten nicht per Mail, Skype oder Facebook. Die Gespräche fanden per Telefon statt und unsere Korrespondenz wurde durch Briefe erledigt. Wir gingen persönlich zum Schalter in der Bank und zur Post.

Wir waren jung und lebenslustig und wollten nicht nur Ehefrau und Mutter sein.

Manche engagierten sich im Elternbeirat der Schule, andere übernahmen ein Ehrenamt bei „Fraen a Mammen“, im Kirchenchor oder waren  in der Gemeindepolitik tätig.  Wir sahen uns außerdem  nach einer Freizeitbeschäftigung zusammen mit gleichaltrigen Frauen um. Tennis war nicht mehr der Sport einer Elite und so konnte man schon morgens früh, sobald die Kinder in der Schule waren, auf den neu eröffneten Tennisfeldern junge Frauen in kurzen, weißen Röckchen sehen, die nach einem Crashkursus mit mehr oder weniger Talent nach den gelben Bällen schlugen.

Wir ließen uns inspirieren von Björn Borg, dem Wimbledon-Sieger, Jimmy Connors und Chris Evert.

An jeweils einem Abend in der Woche ging es mit Freundinnen zur Sporthalle. Aerobic war angesagt. Frei nach Jane Fonda traten wir in engen, farbenfrohen Anzügen und den unvermeidlichen Stulpen (handgestrickt) an. Das Workout war intensiv und der Muskelkater am nächsten Morgen nicht weniger, aber Hauptsache es machte Spaß.

Wir hätten so viel zu erzählen, aber niemand hat Zeit uns zuzuhören. Benoîte Groult hatte die Beziehung unserer Generation zu den Jüngeren einmal mir krassen Worten ausgedrückt: „Quant à votre expérience, c’est bien simple, elle les fait chier! Ils n’attendent plus de surprise de nous, sinon l’infarctus, la fracture du fémur, l’accident vasculaire ou la lente horreur de l’Alzheimer“.

Nun, es wäre zu hoffen, dass dem nicht so ist, zumindest nicht in solch pessimistischer  Form. Es mag sein dass wir in einigen Jahren mit Krankheit und fortschreitender Gebrechlichkeit zu kämpfen haben und uns mit Gehstock oder Rollator fortbewegen. Doch schöne Erinnerungen zu haben ist ungemein tröstlich, besonders dann, wenn wir zur Kenntnis genommen haben, dass die zurückliegende Strecke immer länger und die bevorstehende immer kürzer wird.

Heute kann man alles, was man wissen möchte schnell und einfach „googeln“. Der klassische alte Duden & Co sind überflüssig geworden. Das ist auch gut so, denn unsere digitale Welt ist nahezu unbegrenzt. Jedoch keine Suchmaschine der Welt kann das persönlich Erlebte ersetzen.

Wir müssen zugeben: wir hatten ein gutes Leben in Freiheit, ohne Krieg und Entbehrungen in einer Welt die nach vorne schaute.  Dafür brauchten wir nicht einmal einen Beitrag zu leisten. Wir sahen das immer als selbstverständlich an, aber es war ein Privileg, ein Geschenk,  aufgebaut auf den Verdiensten derer die uns vorangegangen waren. Dafür sollten wir dankbar sein.

Es gibt nichts Schöneres als auch noch im hohen Alter sagen zu können: „Es war eine tolle Zeit“.