Mein 8. Mai 1945

Es war an einem sonnigen Nachmittag. Ich machte mich auf den Weg zur Trambahn, die mich zweimal wöchentlich nach Esch zur Musikschule brachte, wo ich Notenunterricht erhielt.

Kaum von zu Hause fort, begegnete ich meinen Freunden Francis P., Henri M. und Francis R., die es „auf den Berg“ zog. Ich unterhielt mich einige Augenblicke mit ihnen. Gern wäre ich mitgezogen, und dann, ja dann hörten wir am hellen Werktag Nachmittag die Glocken läuten und so beiläufig erklärte uns Francis P. – er war schon sechzehn – dass der Krieg endlich vorbei sei.

Wir hörten es, nun ja, für uns war der Krieg schon lange vorbei, und dies schien uns bloß eine Formalität zu sein. Seit dem 10. September 1944, seitdem die Amerikaner bei uns waren, und besonders nach dem Scheitern der Rundstedtoffensive, hatte der Krieg für uns Buben aufgehört. Was sich seither während dieser zehn Monate an Grauen und Unmenschlichkeit alles ereignet hatte, war uns nicht bewusst.

Missmutig ging ich weiter zur Trambahn und zum Musikunterricht. Dieser erfolgte als wäre nichts geschehen: do sol, re mi re do sol ….